Epidemisches Fleckfieber

Letztmals aufdatiert: 2019-03-15

Autor(en): -

  • Ricketts 1909.
  • Brill 1910.

Flecktyphus, Typhus exanthematicus, klassisches Fleckfieber, Läusefleckfieber.

Äußerst seltene, meldepflichtige durch Rickettsia prowazekii ausgelöste Erkrankung mit hoher Letalität.

  • Erreger: Rickettsia prowazekii.
  • Inkubationszeit: 7-14 Tage.
  • Rickettsia prowazekii wird durch Kleiderläuse oder deren Kot übertragen. Die Erreger kommen im Rahmen des Saugaktes durch Hautläsionen in den Körper.
  • Unspezifisches Frühstadium (Cephalgie, Abgeschlagenheit).
  • Im Verlauf: Fieber, Somnolenz.
  • 3.-6. Tage nach Beginn des Fiebers Auftreten von Roseolen mit teilweise punktförmigen Hämorrhagien am Stamm, welche sich zentrifugal ausbreiten. Palmoplantare Beteiligung.
  • Muskelzuckungen, Druckempfindlichkeit peripherer Nerven, motorische Unruhe.
  • Hypotonie.
  • Bronchitis, Konjunktivitis, Splenomegalie.
  • Meist sind Läuse nachzuweisen (Pediculosis corporis)
  • Facies typhosa: Livid-rötliches Gesicht.
  • Anamnese.
  • Klinik.
  • Läusebefall.
  • BB (Leukopenie, Eosinophilie), Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte.
  • Ab der 2. Krankheitswoche Weil-Felix-Reaktion (Agglutinationstest).
  • Ab der 3. Krankheitswoche Komplementbindungsreaktion und indirekter Immunfluoreszenztest.
  • Impfung vorhanden.
  • Sofern keine frühzeitige Therapie erfolgt, ist mit einer hohen Letalität zu rechnen.
  • In Fällen in denen die Antibiotika-Therapie frühzeitig abgebrochen wird, kann es zum Auftreten von Spätrezidiven kommen (Brill-Zinsser-Krankheit).
  • Nach vollständig überstandener Erkrankung besteht lebenslange Immunität.
  • Ggf. intensivmedizinische Massnahmen und Verlegung auf die Intensivstation.
  • Kontrolle der Vitalparameter, des Flüssigkeitshaushaltes, Elektrolyte und Eiweissersatz.

 

Topische Therapie

  • Jacutin® Gel (Lindan) 0,3%. Anwendung nicht zu empfehlen, aufgrund neurotoxikologischer Nebenwirkungen. In der Schweiz ist Jacuin® nicht mehr am Markt.
  • Loxazol Lot. 1% (nach 1 und 2 Wochen erneut anwenden).
  • Permethrin 5% in z.B.: Excipial U Lipolotio.
  • Prioderm® Shampoo (nach 1 und 2 Wochen erneut anwenden).
  • Paranix® Sprax (Dimeticon), Einwirkzeit: 15 Min., ggf. Wiederholung nach 7 Tagen
  • Lausweg® Schaumlösung, Einwirkzeit: 15 Min. , Wiederholung nach 7 und 14 Tagen.
  • Rausch Laus stop® Creme, Einwirkzeit: 20 Min., Wiederholung nach 7 und 14 Tagen.

 

Systemische Therapie

  • Doxycyclin p.o. 100 mg 2x tgl. für 8-10 Tage.
  • Alternativ: Ciprofloxacin p.o 500 mg 2x tgl..
  • Bei ausgeprägten Fällen ggf. i.v. Glukokortikoide 100 mg/d für 2-3 Tage.

 

  • Kleider und Bettwäsche sollten im Rahmen der Sanierung mit mindestens 60°C gewaschen werden. Alternativ können diese auch in luftdichte Plastiksäcke für 3 Tage gelegt werden.

 

  • 2x wöchentlich sollte eine Kontrolle aller Familienmitglieder mit dem Läusekamm erfolgen.

 

  • Ein Schneiden der Haare ist nicht zielführend, da bereits 5 mm lange habe ausreichen um Nissen halt zu geben.

 

  1. Botelho-Nevers, E., et al., Treatment of Rickettsia spp. infections: a review. Expert Rev Anti Infect Ther, 2012. 10(12): p. 1425-37.
  2. Chapman, A.S., et al., Cluster of Sylvatic Epidemic Typhus Cases Associated with Flying Squirrels, 2004–2006. Emerg. Infect. Dis., 2009. 15(7): p. 1005-1011.
  3. Raoult, D., et al., Outbreak of epidemic typhus associated with trench fever in Burundi. The Lancet, 1998. 352(9125): p. 353-358.
  4. Beutler, M. (2007). Keine Panik bei Läusen!. Pharmajournal, (18), 4-8. Retrieved from http://www.pharmasuisse.org/data/Oeffentlich/de/Publikationen/AKA-Publikationen/07_18_Laeuse_2_d.pdf