Erythema infectiosum

Letztmals aufdatiert: 2021-10-15

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Willan 1798, Sticker 1899, Cheinisse 1905.

Ringelröteln, 5. Infektionskrankheit, Megalerythem, Megalerythema infectiosum, Megalerythema epidemicum, Stickersche Krankheit, Ringelröteln, Ohrfeigenkrankheit, Backpfeifengesicht, Slapped-Cheek-Disease.

  • Mittel kontagiöse, virale, durch Parvovirus B19 hervorgerufene Infektionskrankheit des Kindesalters.
  • Geschichtliche Anmerkung:
  • Das Parvovirus B19 ist das einzige Parvovirus, das den Menschen infizieren kann. 1975 wurde es durch Yvonne Cossart entdeckt und ist nach der Untersuchungsreihe benannt (Nummer 19 in Reihe B).
  • Saisonal gehäuft in den Winter- und Frühlingsmonaten.
  • Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.
  • V.a. zwischen 4 und 10 Jahren auftretend.
  • Durchseuchungsrate: 5-10% im Vorschulalter, bis 70% bei Erwachsenen.
  • 300-500 Aborte pro Jahr sind Parvovirus B19 assoziiert.
  • Kontagiösität besteht vor dem Auftreten eines Exanthems. Sofern Hautveränderungen sichtbar sind, ist eine Ansteckung nicht mehr möglich.
  • Die Transmission erfolgt durch Tröpfcheninfektion, Hautkontakt oder infizierte Blutprodukte. Zwischen 4-14 Tagen beträgt die Inkubationszeit.
  • Auslöser ist das einzelsträngige DNA-Virus Parvovirus B19 (Parvoviridae), das kleinste humanpathogene Virus.
  • Hauptsächlich asymptomatisch verlaufend.
  • Manchmal subfebrile Temperaturen und symmetrische Arthritiden der kleinen Gelenke.
  • Betroffene Lokalisationen: Wangen, im Verlauf Streckseiten der Arme, Beine und das Gesäß.
  • In bis zu 20% tritt ein Exanthem auf: Schmetterlingförmiges Exanthem im Gesicht, zum Teil auch diffuse oder figuriertes Erythem und Schwellung der Wangen (Ohrfeigengesicht), 1-3 Tage später kommt es zum Auftreten von girlandenförmigen bzw. retikulären, elevierten Erythemen am Stamm sowie an den Extremitäteninnenseiten.
  • Charakteristisch ist das rezidivierende Aufflammen und wieder abblassen, was durch externe Faktoren (heißes Bad, Sonne, Stress) induziert werden kann.
  • Der Allgemeinzustand ist zumeist gut.
  • Bei Schwangeren sind bei Verdacht auf eine Parvovirus B19-Infektion weitere serologische Untersuchungen indiziert. Bei gesicherter Diagnose sind wöchentliche sonographische Kontrollen essentiell.
  • Klinik.
  • BB (Leukopenie, Eosinophilie (relativ)).
  • Serologischer Nachweis (IgM und IgG), DNA-Nachweis mittels PCR.
  • VP2-spezifische IgM (14d - 5 Monate nach Infektion positiv) und IgG (21d bis lebenslang nachweisbar).

Perifollikuläre Infiltration, Vergrößerung der Bindegewebsfasern.

  • Aplastische Anämie (zu den Zielzellen des Parvovirus B19 gehören hämatopoetische Stammzellen).
  • Aplastische Krisen v.a. bei Patienten mit bereits bestehenden hämatologischen Erkrankungen.
  • Hydrops fetalis (bei Schwangerschaft aufgrund der Anämie bzw. Myokarditiden). Die Gefahr ist zwischen dem 4. und 5. Schwangerschaftsmonat am größten (bis zu 15% der Feten sterben).
  • Enzephalitiden/Meningitiden
  • Myokarditiden/Perikarditiden
  • Nekrotisierende Vaskulitiden
  • Zumeist Rückbildung innerhalb von 14 Tagen.
  • Schulverbot für 10 Tage.
  • Lebenslange Immunität.
  • Es ist kein Impfstoff erhältlich.
  • Bettruhe
  • Händedesinfektion.

 

Antipyretische Massnahmen:

  • Wadenwickel
  • Paracetamol
  • Anw.:
  • > 12 J. (>40 kg): Einzeldosis (ED): 500-1000 mg, max. Tagesdosis (TD): 4 g.
  • 9-12 J. (30-40 kg): ED: 500 mg, max. TD: 2 g.
  • 6-9 J. (22-30 kg): ED: 250-500 mg, max. TD: 750 mg.
  • KI: Leberschäden, Niereninsuffizienz, akute Hepatitis, M. Meulengracht, Schwangerschaft, Stillzeit.

 

Topische Therapie

  • Lotio alba
  • Bei einem Hydrops fetalis sind intrauterine Erythrozytentransfusionen indiziert.
  • Im Falle einer chronischen Parvovirus-B19-Infektion sowie bei immunsupprimierten Menschen ist die Gabe von IVIG zu diskutieren.
  • Isolation von Patienten mit bekannten hämatologischen Grunderkrankungen.
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