Paronychien (akute, chronische, oberflächliche und tiefe)

Letztmals aufdatiert: 2020-11-19

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Nagelfalzentzündung, Panaritium paraunguale, Panaritium subunguale, Fingerumlauf.

Meist bakterielle, teils virale oder mykotische, selten medikamentös-induzierte purulente Entzündung des Nagelfalzes. Als Auslöser kommt häufig ein mechanisches Trauma infrage (aggressive Nagelpflege).

  • Akut vs. chronisch
  • Oberflächlich vs. tiefgehend (Panaritium subcutaneium, tendinosum, articulare, periostale)
  • Prädisponierende Faktoren:
    • Atopisches Ekzem
    • Diabetes mellitus
    • Akrozyanose
    • Hyperhidrose
    • Subtoxische-kummulative Belastung
  • Bakterien: Staphylococcus aureus, Streptokokken, Proteus mirabilis, P. aeruginosa, Treponema pallidium (syphilitische Paronychie)
  • Viren: Herpes-simplex-Viren
  • Mykosen: Candida albicans
  • Medikamentös: Nach retinoid-, EGFR-inhibierender oder antiretroviraler Therapie
  • Schmerzende, geschwollene Rötung mit Eitersekretion und Einschmelzung des Nagelfalzes. In Folge kann es zur Nageldystrophie oder Onycholyse kommen
  • Als Bulla repens wird eine Infektion bezeichnet, welche durch Staphylococcus aureus ausgelöst wird, und feste Blasen an Lokalisationen mit dicker Hornschicht bildet
  • Die chronische Paronychie ist weniger schmerzhaft und selten purulent. Häufig ist Candida albicans der Erreger. Sie entsteht oft durch rezidivierende Traumata, v.a. mit Verletzung des Nagelhäutchen und chronischer Irritation des Paronychiums z.B. durch feuchtes Milieu.
  • Anamnese
  • Klinik
  • Bakt.-Abstrich
  • Myko.-Abstrich. (Sofern. C. albicans nachgewiesen wurde, muss eine Diabetes mellitus ausgeschlossen werden)
  • Bei V.a. TPHA z.A. einer syphilitischen Paronychie
  • Es können sowohl Zehen als auch Finger betroffen sein. Meist ist nur ein Digitus betroffen.
  • Regelmässige prophylaktische Händedesinfektion
  • Kein Schneiden des Nagelhäutchens
  • Nägel kurz halten
  • Fussnägel nicht rund schneiden
  • Bei Verletzungen prophylaktische, antiseptische Lokaltherapie mit z.B.: Betadine-Salbe oder Fucidin-Salbe
  • Hautpflege

Je nachdem wie sich die prädispositionierenden Faktoren vermeiden lassen. Es gibt sehr rezidivfreudige Fälle.

  • Stichinzision bei Formung eines Abszess
  • Ruhigstellung mit einer Böhler-Schiene
  • Bei einer Körpertemperatur von > 38°C Abnahme von Blutkulturen

Bei bakt. Paronychie:

  • Topische Therapie
  • Iod-Povidon Wundsalbe / Lösung (für Handbäder)
    Triclosan 1% in cold cream
  • Fusidinsäure Creme
  • Teere 10,20,50 %-Salbe
  • Gerbstoffe Lsg. (für Handbäder)

 

  • Bzgl. der syphilitische Paronychie: s. Syphilis

 

Systemische Therapie bei Therapieresistenz oder tiefen Paronychien:

  • Cefuroxim p.o.
    • >12 J.: 250-500 mg 2x tgl.
    • 5-12 J. und ≥ 15 kg: 125 mg 2x tgl.
  • Amoxicillin/Clavulansäure p.o. 500/125mg 3x tgl.

 

Bei Herpes simplex:

  • Antivirale Behandlung s. Herpes recidivans in loco

 

Bei mykotischer Paronychie:

  • Clotrimazol Creme 2-3x tgl.
  • Ciclopirox Creme 1x tgl. für 2-4 Woche
  • Zudem ist eine Prävention der auslösenden bzw. prädispositionierenden Faktoren wichtig

 

  • Bei Therapieresistenz: Nagelextraktion

 

  • Bei medikamentöser Paronychie: Absetzen des Medikaments

 

  • Vor allem die tiefe Paronychie stellt klinisch eine Herausforderung dar. Sie wird in Panaritium subcutaneium, tendinosum, articulare, periostale unterteilt. Eine gefürchtete Komplikation ist die Sehnenscheidenphlegmone, welche klinisch schwierig zu diagnostizieren ist. Hier ist eine sofortige operative Intervention und systemische Antibiotikagabe notwendig.
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