Pediculosis capitis

Letztmals aufdatiert: 2021-10-16

Autor(en): Anzengruber

Infektion von behaarten Regionen, allen voran des Kapillitiums mit der Kopflaus (Pediculus humanus capitis).

  • Kinder (5-11j, ♀>♂)
  • Individuen mit langem Haar

 

Risikofaktoren

Manchmal Gebrauchsgegenstände (Kamm, Bürste, Mützen)

Enge Wohnverhältnisse 

Läuse bevorzugen sauberes Haar!

Die Transmission erfolgt von Mensch zu Mensch. Vor allem Patienten mit längeren Haaren sind bei Kontakt gefährdet. Teilweise kann es zu kleinen Epidemien in Schulen kommen.

Initial häufig asymptomatisch, dann nach Stunden bis Tagen im Bereich der Stiche der Kopfläuse zeigen sich erythematöse, pruriginöse, urtikarielle Papeln. Oft kann man auch noch Nissen (Eier der Kopfläuse) finden, welche schuppenartig an den Haaren zu finden sind. Im Nackenbereich entsteht das Läuseekzem, die Maximalvariante ist die Plica polonica. 

  • Anamnese: Läuseerkrankung von Familienangehörigen
  • Klinische Untersuchung: 
    • Nachweis mindestens einer lebenden Laus oder lebensfähiger Eier
    • Haare systematisch und bevorzugt nass mit Nissenkamm (Zinkenabstand 0.2 mm)
  • auskämmen: 90 % Erkennungsrate von mobilen Lausstadien

  • Sekundärinfektionen
  • Lymphadenopathien
  • Kontaktpersonen gründlich untersuchen, nur bei Hinweisen für Infestation mitbehandeln

  • Kleidung, Bettzeug, Mützen, Kämme oder Bürsten mindestens 60° C waschen, oder Lagerung Plastiksäcke 2-3 Wochen Raumtemperatur oder 2 Tage -10°C

  • Sehr gut bei korrekter Therapie.
  • Prophylaxe wichtig gegen Reinfektion, da es keine protektive Immunität gibt. 

Allgemeine Massnahmen

  • Alle Kontaktpersonen müssen behandelt werden!
  • Kratzprävention (Kürzung der Fingernägel)
  • Regelmässiges Staubsaugen
  • Wechseln der Bettwäsche
  • Waschen der Kleidung und Bettwäche bei mind. 60°C
  • Kein Besuch der Schule!
  • Anwendung eines Nissenkamms (Lauskamms) für 2 Wochen jeden 3-4. Tag!
  • Kämme müssen für 10 Minuten in 60°C heisses Seifenwasser gelegt werden (nicht kühlen oder frieren!)

Behandlungsschema:

  • Tag 1: Behandlung mit Insektizid, danach nass kämmen (Nissenkamm)

  • Tag 5: Nass kämmen Reduktion frisch geschlüpfter Larven

  • Tag 7 bis 10: Erneute Behandlung mit Insektizid

  • Tag 13: Nass kämmen

  • Tag 17: Abschliessende Kontrolle durch nass kämmen

 

Topische Therapie

  • Permethrin: Loxazol® 1 % Lotion (CH zugelassen), Infectopedicul® 1 % Lösung (DE), Infectoscab® (D) oder Scabi-Med 5 % Crème; Applikation: Tag 1, ggf. wiederholen nach 7 bis 14 Tagen in handtuchtrockenes Haar, einwirken 10 min, KI: Kinder<2J, Überempfindlichkeit Inhaltsstoffe, Chrysanthemen, SS (Kategorie B), SZ, Asthma; Resistenzen!

  • Malathion: Prioderm® 1 % Cream Shampoo, Applikation: Tag 1, 7, 14; einwirken 10 min KI: Überempfindlichkeit, CAVE Kinder, SS, SZ nicht untersucht, Resistenzen!

  • Dimeticon: Hedrin® Lsg (CH zugelassen), Pedicul Hermal®; Applikation mindestens 1h einwirken, besser über Nacht; keine NW da rein physikalische Wirkung.

  • Augenbrauen- bzw. Wimpernbefall:
    • Olivenöl oder Vaselinum album mehrmals tgl. anwenden und im Verlauf Läuse mit Pinzette entfernen.

 

Systemische Therapie

  • Ivermectin p.o. 200 μg/kg KG einmalig.
    • Wiederholung ggf. nach 2-4 Wochen.
    • In der Schweiz nicht im Handel, jedoch in Deutschland erhältlich.
  • Anzuwenden bei topischer Therapieresistenz
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