Irritativ- bzw. kumulativ-toxische Kontaktdermatitis / Kontaktekzem

Letztmals aufdatiert: 2021-06-27

Autor(en): Anzengruber

Toxisches Kontaktekzem (chronisch), toxische Kontaktdermatitis (akut), irritative Kontaktdermatitis, kumulativ toxisches Handekzem, kumulativ-toxisches Handekzem, toxische Dermatitis, toxic dermatitis.

Durch eine primär hautschädigende Noxe ausgelöste Entzündung der Haut. Charakteristisch ist, dass die Hautläsionen streng auf den Expositionsort begrenzt bleiben.

Sehr häufig, bis 10% der arbeitenden Bevölkerung haben Ekzeme. Toxisch-irritative Ekzeme sind häufiger als kontaktallergisch bedingte Ekzeme. 

  • Akute irritativ-toxische Kontaktdermatitis
  • Chronisch kumulativ-toxisches Kontaktekzem

Die Liste von potentiellen Kontaktnoxen ist nicht komplett wiederzugeben. Deshalb ist die Anamnese sehr wichtig. 

 

Häufig sind:

  • Wasser (Feuchtigkeit), das auch irritiert und auch bei anderen Kontaktnoxen ein häufiger Kofaktor ist
  • Alkalische / saure Lösungen 
  • Organische Lösungsmittel (Xylol, Benzol, Benzin)
  • Fettlösungsmittel (Aceton, Tetrachlorkohlenstoff)
  • Detergenzien
  • Toxische Pflanzen- oder Tierbestandteile
  • Phototoxische Substanzen
  • UV-Strahlen
  • Röntgenstrahlen
  • Thermische Reize
  • Scharf begrenzte, erythematöse, auf den Expositionsort begrenzte, flächige, schuppende und pruriginöse Erytheme, Papeln und Plaques
  • Kaum Satellitenherde
  • Verschiedene Stadien (nach Kreibich):
    • Stadium erythematosum, vesiculosum, madidans, crustosum, squamosum, Resterythem
  • Aufgrund der Symptome kann es auch zu Sekundärphänomenen kommen wie Exkoriationen bzw. Erosionen im Sinne von Kratzeffekten, sowie darauf dann wieder Impetiginisierung
  • Wohlüberlegte Anamnese, z.B. wird es besser während den Ferien? Dann suggestiv für Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit.
  • Klinik
  • Epikutantest bei Verdacht auf die Differentialdiagnose einer allergischen Kontaktdermatitis
  • Abstriche auf Mykose inkl. Candida, sowie Bakterien (Impetiginisierung)
  • Atopische Diathese inkl. IgE, SX1, FX5 objektivieren falls Anhaltspunkte

Fast immer die Hände betroffen. Manchmal auch Füsse, seltener andere Körperstellen. 

Chronifizierung ist eine grosse Gefahr. Handekzeme sind nach langer Persistenz schwierig zu behandeln und können bis zur bleibenden Arbeitsunfähigkeit führen.

Gute Arbeitsausrüstung inkl. Handschuhe ist sehr wichtig und sollte von den Versicherern und Arbeitgeber propagiert und erzwungen werden.  Siehe auch die Webseite 2haende.ch

Siehe Komplikationen. Auf Berufskrankheit abklären ist sinnvoll. 

Allgemeine Massnahmen (USB Standard)

  • Meiden der auslösenden Noxe: Cessat causa, cessat effectus
  • Arbeitsauslass-Versuch kann hilfreich sein

 

Topische Therapie

  • Handschuhe für die Arbeit falls Zusammenhang. 
  • Adäquate Rückfettung mit Excipial Repair 2x tgl. und Protect 3x tgl. 
  • Bei palmaren Hyperhidrose Aluminiumchlorohydrat Sansudor.
  • Bei akuten Dermatitiden verwendet man eine wässrige Crème oder Lotio, während bei subakuten oder chronischen Ekzemen eine fettige Salbengrundlage zielführend ist
    • Mometason fuorat Crème / Lsg. / Salbe 1x tgl.
    • Clobetasol Creme /Salbe 1x tgl.

Phototherapie

  • UVBnb oder Bade-PUVA

Systemische Therapie

  • Alitretinoin 30mg p.o. 1x tgl. bei Chronifizierung
  • Prednisolon p.o. 25-100 mg 1x tgl. über 5 Tage wenn notwendig im akuten Stadium
  • Levocetirizin p.o. 5 mg 1x tgl oder Desloratadin p.o. 5 mg 1x tgl. oder Fexofenadin p.o. 180 mg 1x tgl.
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