Alopezie durch Chemotherapie

Letztmals aufdatiert: 2019-03-15

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Rapid einsetzende nicht vernarbende Alopezie unter Chemotherapie, die durch telogenes oder anagen-dystrophisches Felluvium ausgelöst wird. I.d.R. regeneriert sich das Haarkleid binnen120 Tage nach Beendigung der Therapie vollständig. 

Das Haar kann unter Chemotherapie auf zwei Arten reagieren: 

  • telogenes Effluvium
  • anagen-dystrophes Effluvium 
  • nur die sich im Wachstum befindenden Anagenhaare sind betroffen
  • Telogenhaare sind nicht betroffen, sie fallen normal nach 2-4Monaten aus 
  • Der Follikel bleibt i.d.R. intakt, sodass das Haar nach Beendigung der Therapie nachwachsen kann. 
  • Medikamente, die ein Anageneffluvium auslösen können sind: Vincristin, Vinblastin, Methotrexat, Doxorubicin, Fluorouracil, CKD4/6 Inhibitoren
  • Bei intensiv ausfallender Schädigung wird das Haar bildende Epithel im Follikel angegriffen. Dies führt zu quantitativ minderwertigen Haarschäften, die abbrechen, bevor sie die Telogenphase erreichen können. Bereits 2 Wochen nach Beginn der Chemotherapie kann es zu einem anagen-dystrophischen Effluvium kommen, wobei alle Aanagenhaare (>80%) ausfallen können. 
  • Bei nur leicht ausfallender Schädigung reagiert das Haar mit einem telogenen Effluvium. Ein Teil der Anagenbehaarung geht vorzeitig ins Tellogenstadium über und fällt nach Abschliessen desselben aus. 

rapider Verlust eines Grossteils der Kopfbehaarung bis hin zur kompletten Glatzenbildung 

Lösen der Anagenhaare bereits durch leichten Zug möglich. Anagenhaare erkennt man an ihrem besenförmigen, pigmentierten Schaft. 

Zur Abgrenzung gegen allfällige DDs ist der hier betroffene Hinterkopf ausschlaggebend.

  • Dauer und Ausmass des Haarausfalls erfragen
  • Medikamente/Chemotherapie eruieren 
  • Beim erneuten Wachstum nach Therapieende kann die Textur bei gewissen Medikamenten verändert sein. Nach Behandlung mit Adriamycin kann z.B. zuvor glattes Haar plötzlich Wellen oder Locken zeigen. 
  • Bei Therapie mit multiplen Agenzien oder Taxanen kann eine unvollständige Erholung des Haars vorkommen. Von einer irreversiblen Alopezie spricht man 6 Monate nach Therapieeinstellung. Es finden sich Alopezia areata ähnliche Stellen oder ein female pattern hair loss.  

I.d.R. Nachwachsen der Haare innerhalb von 120 Tagen nach Beendigung der Chemotherapie. 

  • Absetzen der Noxe (sofern möglich), prinzipiell ist aber keine Therapie notwendig, da es sich um ein kosmetisches Problem handelt.
  • Perücke oder andere Massnahmen, um den Haarverlust zu kaschieren, falls dies vom Patient gewünscht ist. 
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