Kranialer Zoster

Letztmals aufdatiert: 2020-08-17

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Herpes Zoster-Infektion im Bereich des Kopfes mit Beeinträchtigung der Kopf- oder Halsnerven.

  • Cephalea
  • Lymphadenopathie
  • Nackensteifigkeit.
  • Klinik
  • Immunfluoreszenz („Microtrak“): Abstrich mit Wattetupfer vom Blasengrund (fest aufdrücken). Auf einen Objektträger ausstreichen und Fixierflüssigkeit applizieren
  • PCR: Abstrich mit Wattetupfer vom Blasengrund (fest aufdrücken). Wattetupfer ins Virusmedium geben, 15 Sek. belassen, dann Tupfer entfernen

Therapie

  • Lichtschutz
  • Kontakt zu Schwangeren oder Kleinkindern sollte nach Möglichkeit vermieden werden
  • Bei jungen Patienten ist ein Ausschluss einer Immunsuppression (v.a. HIV) sinnvoll
  • Bedarfsorientierte analgetische Therapie

 

Schmerztherapie

  • Immer adequate Schmerztherapie um Risiko einer Post-Zoster-Neuralgie zu senken.
  • Therapie der postzosterischen Neuralgie (Stufenschema)
    • 1. Stufe NSAR (z.B. Ibuprofen, max. 2.4g/d) oder Paracetamol max. 4d/d
    • 2. Stufe zusätzlich schwache Opioidanalgetika (z.B. Tramadol 200-400mg/d)
    • 3. Stufe (zusätzlich zu Stufe 1) stark wirksame Opioidanalgetika (z.B. Oxycodon)
    • 4. Stufe (zusätzlich zu Stufe 1 oder 2) Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin max. 3.6g/d), Pregabalin max. 600mg/d oder Antidepressiva (z.B. Amitriptylin max. 150mg/d); Vorstellung in der Schmerzsprechstunde.

 

Systemische Therapie

  • Absolute Indikationen zur systemischen Behandlung, idealerweise innerhalb der ersten 72 Stunden nach Infektion
  • Alter > 50 Jahre
  • Extratrunkaler Befall
  • Moderate oder starke Schmerzen
  • Ausgeprägter Lokalbefund
  • Immunsuppression
  • Befall innerer Organe
  • Essentiell für jede antivirale Therapie ist ein frühzeitiger Beginn
  • Therapiebeginn < 72h nach Beginn der Hautsymptomatik oder > 72h nach Beginn der Hautsymptomatik wenn neue Bläschen gebildet werden. Zudem kommt das erhöhte Risiko einer sekundären, bakteriellen Infektion

 

  • Aciclovir
    • Anw.: bei 3x 5mg/kg KG/d i.v. oder 5x 800mg/d p.o., bei Immunsuppression 10mg/kg KG/d i.v.
    • KI: Überempfindlichkeit, Stillzeit (da Übertritt in Muttermilch)
    • NW (sehr häufig): Kopfschmerzen, Nausea
    • CAVE:
      • Bei älteren Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von reversiblen, neurologischen Störungen
      • Anpassung der Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
      • Genügend Flüssigkeitszufuhr

 

  • Valaciclovir
    • Anw.: 1 g 3x/d für 7d
    • KI: Überempfindlichkeiten, Stillzeit
    • NW (häufig): Kopfschmerzen, Übelkeit
    • CAVE:
      • Anpassung der Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
      • Hydratationszustand

 

  • Brivudin (Tbl.)
    • off-lable-use
    • Anw.: 125 mg 1x/d für 7 Tage
    • WW: 5-Fluorouracil- Präparaten (zeitlicher Abstand mindestens 4 Wochen)
    • NW (häufig): Nausea
    • KI: 5-Fluorouracil- Therapie, Schwangerschaft, Stillzeit, Überempfindlichkeit gegenüber Inhaltsstoff, nicht an Kindern und Jugendlichen getestet

 

  • Famciclovir (Famvir®)
    • Anw: 500 mg 2x/d
    • Bei Pat. >50 kann sollte zur Prävention einer Zosterneuralgie 500mg 3x/d gegeben werde.
    • Von den Mahlzeiten unabhängig
    • WW: Probenecid
    • KI: Schwangerschaft, Stillzeit, Überempfindlichkeiten gegen Famciclovir oder Penciclovir
    • CAVE:
      • Bei Patienten mit dem Risiko einer Dehydratation, speziell bei älteren Patienten, soll auf eine adäquate Flüssigkeitszufuhr geachtet werden
      • Wirksamkeit bei schwarzen Patienten möglicherweise reduziert

 

  • Foscarnet
    • bei Immunsuppression und Aciclovir-Resistenz
    • Anw.: 3 x 40 mg/kg KG/d i.v.
    • KI: Überempfindlichkeit, Schwangerschaft, Stillzeit.
    • NW (sehr häufig): Granulozytopenie, Anorexie, Hypokaliämie, Hypomagnesämie, Hypokalzämie, Parästhesien, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Rash, erhöhtes Serumkreatinin, Fieber, Müdigkeit, Frösteln, Asthenie
    • CAVE:
      • Anpassung der Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
      • genügend Flüssigkeitszufuhr

         

         

 

Topische Therapie

  • Je nach Klink unterschiedliche Lokaltherapien
  • Lt. aktuellen Leitlinien wird eine Therapie mit topischen Lokalanästhetika nicht empfohlen
  • Gerbstoffe Lsg. mehrmals tgl.
  • Hyaluronsäure+Sulfadiazin Creme mehrmals tgl.
  • Fusidinsäure Creme mehrmals tgl.
    Fusidinsäure+Betamethason Creme mehrmals tgl.
  • Iod-Povidon Lsg. mehrmals tgl.
  1. Ward, C., J. Karsh, and D.B. Calne, Cranial herpes zoster: a case report and a hypothesis. J Neurol Neurosurg Psychiatry, 1980. 43(12): p. 1146-7.
  2. Werner RN, Nikkels AF, Marinovic B, Schafer M, Czarnecka-Operacz M, Agius AM, Bata-Csorgo Z, Breuer J, Girolomoni G, Gross GE, Langan S, Lapid-Gortzak R, Lesser TH, Pleyer U, Sellner J, Verjans GM, Wutzler P, Dressler C, Erdmann R, Rosumeck S, Nast A: European consensus-based (s2k) guideline on the management of herpes zoster - guided by the european dermatology forum (edf) in cooperation with the european academy of dermatology and venereology (eadv), part 1: Diagnosis. J Eur Acad Dermatol Venereol 2017;31:9-19.

  3. Werner RN, Nikkels AF, Marinovic B, Schafer M, Czarnecka-Operacz M, Agius AM, Bata-Csorgo Z, Breuer J, Girolomoni G, Gross GE, Langan S, Lapid-Gortzak R, Lesser TH, Pleyer U, Sellner J, Verjans GM, Wutzler P, Dressler C, Erdmann R, Rosumeck S, Nast A: European consensus-based (s2k) guideline on the management of herpes zoster - guided by the european dermatology forum (edf) in cooperation with the european academy of dermatology and venereology (eadv), part 2: Treatment. J Eur Acad Dermatol Venereol 2017;31:20-29.