Pityriasis alba

Zuletzt aktualisiert: 2023-01-02

Autor(en): Teuscher Julian, Navarini A.A.

ICD11: L30.59

Camille-Melchior Gibert 1860

Pityriasis simplex, Pityriasis sicca, Pityriasis alba faciei

Hauptsächlich im Kindesalter auftretende, gutartige, nicht ansteckende, Hautreaktion unklarer Ätiologie mit rundlich bis ovalen, diskret schuppenden, hypopigmentierten Arealen im Wangen-, Stirn- und Brustbereich. Oft assoziiert mit atopischer Dermatitis.

Bei pigmentreicher Haut viel häufiger bzw. überhaupt erst sichtbar. Meist zwischen dem 3. und 16. Lebensjahr auftretend, eher selten im Erwachsenenalter. Genaue Zahlen über Inzidenz und Prävalenz sind nicht vorhanden, die Erkrankung ist jedoch im Kindesalter relativ häufig und wird aufgrund der nur subtilen Klinik wohl unterdiagnostiziert. 
Wahrscheinlich besteht eine Häufung beim männlichen Geschlecht. 
Geografische Unterschiede in der Inzidenz wurden beschrieben.

Keine weitere Einteilung der Krankheit.

Die genaue Ursache der Pityriasis alba ist unklar. Es kommt aus noch unbekannten Gründen zu einem vorübergehend reduzierten Pigmenttransfer zwischen Melanozyten und Keratinozyten. Die Melanozyten produzieren dabei weniger und kleinere Melanosomen. Es besteht jedoch keine wesentliche Abnahme der Anzahl Melanozyten.

Es zeigen sich zumeist im Wangen- und Stirnbereich seltener an der Brust und an den Oberarmen fein schuppende, unscharf begrenzte, rundlich bis ovale, teilweise konfluierende, hypopigmentierte Maculae. Teilweise besteht ein leichter Juckreiz. Initial können die Läsionen erhaben und gerötet sein und sich dann im Verlauf zu den typischen hypopigmentieren Flecken entwickeln. Im Sommer ist die Hypopigmentierung in der Regel stärker ausgeprägt. Im Winter kann die Schuppung eher im Vordergrund stehen.

Die Diagnose wird zumeist klinisch aufgrund des typischen Erscheinungsbild, Alters und der fehlenden Symptomatik gestellt. 
In weiterführenden Untersuchungen können mittels Wood Lampe die hypopigmentierten, nicht fluoreszierenden Herde genauer dargestellt werden. Ein Direktpräparat der Hautschuppen zeigt keinen Pilznachweis und kann zur Abgrenzung gegenüber der Pityriasis versicolor herangezogen werden. Die Entnahme einer Hautbiopsie ist nicht notwendig und zeigt nur unspezifische Veränderungen einer superfiziellen Dermatitis mit reduzierter epidermaler Pigmentierung.

Die Pityriasis alba zeigt sich hauptsächlich im Gesichtsbereich, an den Wangen und der Stirne. Weiter sind manchmal die Brust sowie die Oberarmenstreckseiten betroffen.

Superfizielle, interstitielle Dermatitis 
Reduzierter Pigmentierung der Epithelien 
Normale Melanozytenzahl. 
Weitere unspezifische, nicht fakultative Befunde sind:
Hyperkeratose, Parakeratose, Akanthose sowie Spongiose. 

Es sind keine Komplikationen der Erkrankung bekannt. Im Kindes- und Jugendalter können jedoch die ästhetischen Aspekte der Erkrankung psychische Beschwerden verursachen.

Die Vermeidung von Sonnenlicht und Bräunungsapparaten sowie die Anwendung von Sonnencrèmes verhindert eine Kontrastbildung, somit ist das Krankheitsbild dann weniger bis gar nicht sichtbar. Es sind sonst keine weiteren vorbeugenden Maßnahmen bekannt.

Die Pityriasis alba hat eine gute Prognose. Die Hypopigmentierungen bilden sich mit der Zeit von alleine und ohne bleibende Hautveränderungen zurück. Dieser Prozess kann von wenigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren andauern. 

Die Hautveränderungen bilden sich von alleine zurück und benötigen keiner zwingenden Therapie. 


Zur lokalen Behandlung werden empfohlen:
Regelmäßiger Sonnenschutz (Reduziert die Sichtbarkeit hypopigmentierter Areale)
Lokale Hautpflege mit milden, feuchtigkeitsspendenen Cremen, ohne Zusatzstoffe
Schwach wirksame, topische Corticosteroide, z.B. Imacort 1x täglich
Tacrolimus topisch, nur in schweren Fällen 

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