Erysipeloid

Letztmals aufdatiert: 2020-11-19

Autor(en): -

Rosenbach 1887.

Schweinerotlauf.

Durch Erysipelothrix rhusiopathiae ausgelöste lokale und systemische Infektion.

  • Infektionen finden ausschließlich in den Sommermonaten statt.
  • Besonders Fischer, Hausfrauen, Schlachter, Krabbenfischern (crab dermatitis), Knopfherstellung (sofern die Herstellung aus Knochen erfolgt) betroffen.
  • In 3.5% aller Katzenbisse konnte E. rhusiopathiae nachgewiesen werden.

Erysipelothrix rhusiopathiae ist ein nicht bewegliches, grampositives Stäbchen. Der Erreger tritt durch kleine Verletzungen durch die Haut und es kommt zur Infektion. Selten kann eine Transmission über Nahrungsmittel erfolgen. Auch Katzen- und Hundebisse können zum Auftreten des Erysipeloids führen.

  • Inkubationszeit: 2–7 Tage.
  • Erreger
  • Erysipelothrix rhusiopathiae.

 

  • Lokalisiertes Erysipeloid.
  • Häufigste Form.
  • Meist sind die Finger bzw. Hände betroffen.
  • Teils juckendes, teils schmerzhaftes, hellrotes, nach zentrifugal ausbreitendes, erysipelähnliches Erythem, oft mit Spannungsgefühl. Im Verlauf kann es zu einem zentralen Abklingen der Rötung.
  • Generell gutes Allgemeinbefinden.
  • Diffuse kutane Infektion
  • Kommt selten vor.
  • In diesem Fall kommt es zur Mitbeteiligung anderer Lokalisationen.
  • Es zeigen sich Urtikaria oder Bläschen und meist kommt es zur Ausprägung von febrilen Temperaturen und Arthralgien.
  • Als möglicher Auslöser gilt die Einnahme von kontaminierten Nahrungsmittel.
  • Systemische Infektion mit und ohne Endokarditis
  • Die systemische Infektion kommt äußerst selten vor.
  • Meist kommt es zu Fieber. In ca. 40% bestehen erysipeloide Hautveränderungen bzw. sind anamnestisch zu ermitteln.
  • Es können sich serpiginöse oder bullöse Läsionen an Stamm und Extremitäten zeigen.
  • Als prädispositionierender Faktor fugnieren Leberinsuffizienz und Immunsuppression. Ca. 1/3 aller Patienten mit einer systemischen E. rhusiopathiae Infektion sind Alkoholiker.
  • Als mögliche Komplikation ist die Endokarditis gefürchtet. Insbesondere die Aortenklappe kann beteiligt sein. Für 1/3 der Patienten ist eine Beteiligung der Herzklappen letal, ein weiteres 1/3 benötigt einen Herzklappenersatz.
  • Anamnese (wichtig Berufsanamnese!)
  • Klinik
  • Bakt.-Abstrich
  • Ggf. Durchführung einer Probebiospsie (hier gelingt der Erregernachweis am besten).
  • Blutkulturen (oft negative bzw. Mißidentifikation als Lactobacillus oder Enterkokkus.
  • Häufig an den Händen, aber jede Lokalisation möglich.
  • Bronchitis tritt nach Inhalation auf.
  • Sepsis.
  • Endokarditis
  • Herzinsuffizienz.
  • Klappenperforation.
  • Myokardabszess.
  • Niereninsuffizienz.
  • Abszesse (Mykard, Hirn, intraabdominell, epidural und paravertebral).
  • Meningitis.
  • Endopthalmitis.
  • Osteomyelitis.
  • Septische Arthritis.
  • Lungenentzüdnung.
  • Nekrotisierende Faszitis.
  • Impfung für Risikogruppen Tierärzte, Tierhändler.
  • Tragen von Handschuhen.
  • Individueller Verlauf. Abheilung erfolgt nach 2 Wochen bis mehrere Monate später.
  • Sofern keine Komplikation auftritt besteht eine gute Prognose.
  • Es entwickelt sich keine bleibende Immunität.
  • Ruhigstellung.
  • Eine antibiotische Therapie verkürzt die Erkrankungsdauer und reduziert das Risiko eines Rezidivs.
  • Lokale Wärmeapplikation bei schmerzhaften Gelenksschmerzen.
  • Inzisionen oder chirurgische Internventionen sind nicht indiziert.

 

  • Topische Therapie
  • Feuchte, antiseptische Umschläge (z.B.: Lavasept®, Octenisept®-Lsg).

 

  • Bei lokalisiertem Erysipeloid
  • Sollte die Therapiedauer vom klinischen Befund abhängig gemacht werden, jedoch mindestens 7 Tage betragen.
  • Penicillin V p.o. 500 mg 4x tgl.
  • Alternativ: Ciprofloxacin p.o. 250 mg 2x tgl.
  • Alternativ: Clindamycin p.o. 300 mg 3x tgl.
  • Alternativ: Erythromycin p.o. 500mg 4x tgl.
  • Bei diffuser kutaner Infektion oder systemischer Infektion
  • Die Therapiedauer sollte vom klinischen Befund abhängig gemacht werden, jedoch mindestens 7 Tage bei der diffusen, kutanen Infektion und 14 Tage bei der systemischen Infektion betragen.
  • Penicillin G: i.v. 2-4 Mio IE 6x tgl.
  • Alternativ: Ceftriaxon i.v. 2g 1x tgl.
  • Alternativ: Imipenem i.v. 500 mg 4x tgl.
  • Alternativ: Ciprofloxacin i.v. 400mg 2x tgl.
  • Alternativ: Daptomycin i.v. 6 mg/kg KG 1x tgl.
  • Eine Resistenz von E. rhusiopathiae ist gegen Suflonamide, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Vancomycin und Aminoglykoside häufig.
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