Urtikariavaskulitis
Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16
Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.
ICD11: EF40.10
Mc Duffie, 1973
Urtikaria Vaskulitis, Urtikaria-Vaskulitis, Hypokomplementämische Vaskulitis, Urticaria perstans
- Bis max. 10% der Patienten mit fixen urtikariellen Hautveränderungen haben histologisch eine Vaskulitis
- Chronische (> 6 Wo andauernde), entzündliche Vaskulitis mit rezidivierendem Verlauf
- Klinik geprägt durch urtikarielle Papeln, Plaques oder auch Angioödem
- Im Unterschied zur Urtikaria bestehen die Läsionen länger als 24 Stunden und sind ortstreu
- W : M = 2 : 1
- Erkrankungsgipfel meist 5. Lebensdekade
- Urtikariavaskulitis mit Hypokomplementämie betrifft fast nur Frauen
- Es werden zwei Formen unterschieden:
- Urtikariavaskulitis mit Hypokomplementämie (HUVS)
- Urtikariavaskulitis mit Normokomplementämie
- Wahrscheinlich bedingt durch die Ausbildung von Immunkomplexen bestehend aus IgG-Antikörper gegen die Kollagen-ähnliche Region von C1q
- → Anschliessend kommt es zur Komplementaktivierung
Häufig assoziert mit:
- Autoimmunerkrankungen (z.B.: systemischer Lupus erythematodes)
- Viralen Infektionen (z.B.: Hepatitis B/C)
- Neoplasien (Myelom, Gammopathien, Kolonkarzinom)
- Medikamente (z.B. NSAID, Fluoxetin)
Urtikarielle Hautveränderung:
- teils dolent
- lang persistierend (gewöhnlich 24 – 72 Std.)
- Diaskopie: meist Purpura im Zentrum der Quaddel
- Abheilung häufig mit Hyperpigmentierung verbunden
- Angioödem kann dazukommen
Systemische Allgemeinsymptome:
- Fieber
- Arthralgien und Arthritiden in 50% (insbesondere Sprung-, Hand-, Knie- und Fußgelenke)
- Renal
- Obstruktiver Lungenbefall in 20% (Dyspnoe, Tussis, Hämoptyse)
- Gastrointestinale Symptome in 20% (abdominelle Schmerzen, Nausea, Diarrhoe)
- Lymphadenopathie
- Anamnese
- Klinik
- Suche nach entzündlichem Fokus
- Labor:
- Erhöhung der Akut-Phase-Proteine, bei der Hälfte der Patienten zeigt sich eine Hypokomplementämie ( C3 und C4 erniedrigt)
- Infektionsserologie
- ANA Titer
- Elektrophorese: Frage nach Gammopathie
- Direkte Immunfloureszenz: Granuläre Immun- und Komplementablagerungen in den Gefässwänden der Dermis
- Hautbiopsie: Typische Histologie
- Je nach Organbefall sollten spezifischen Untersuchungen erfolgen ( ggf. Abdomensonografie, Röntgen Thorax, Lungenfunktionssdiagnostik, Urinstatus)
Ähnlich dem Bild einer leukozytoklastischen Vaskulitis:
- Leukozytoklastische Reaktion, Gefäßwanddestruktion, Kerntrümmer, Fibrinogenablagerungen
- Lebensbedrohliche Verläufe sind möglich
- Chronisch, rezidivierender Verlauf
- in 2/3 der Patienten ist ein Übergang in einen systemischen Lupus erythematodes beschrieben
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- Abhängig vom Schweregrad des Erkrankung
- Symptomatische Therapie: Antihistaminika, oft nicht ausreichend: z.B.: Levocetirizin
- Einsatz von Glukokortikoiden wie Prednison insbesondere bei der hypokomplementämischen Variante:
- Beginn mit Prednisolon 60-100 mg/Tag. Reduktion nach Massgaben der Klinik
- Erhaltungsdosis sollte sich unterhalb der Cushing-Schwelle befinden
- Bei Ausbleiben eines Therapieerfolges: Kombination mit Azathioprin 50-100 mg/Tag p.o. oder Mucophenolat-Mofetil (2,0 g/Tag p.o.)
- Supportative Immunsuppresiva: Methotrexat, Cyclophosphamid, Cyclosporin,
- Alternativ: Chloroquin initial 1-2 Tbl./Tag, Dosisreduktion nach Klinik
- DADPS als Monotherapie 50-100 mg/Tag oder in Kombination mit Pentoxifyllin Colchicin 0,5-1,5 mg/Tag
- Interferon alfa-Therapie 3mal/Woche 3 Mio. IE s.c.
- IVIG (2g/kgKG).
- Bei hochaktivem Krankheitsbild: Additive Plasmapherese
- ggf. Canakinumab Ilaris 150 mg s.c. alle 8 Wochen
- ggf. Omalizumab Xolair systemische Injektion 300 mg 1 x Monat
- Indomethacin bei Arthralgien
- Lubach D (1983) Die so genannte Urtikaria-Vaskulitis. Allergologie 6: 300-303
- Maurer M, Grabbe J: Urtikaria – gezielte Anamnese und ursachenorientierte Therapie. Dtsch Arztebl 2008; 105(25): 458–65.
- Guha B, Youngberg G, Krishnaswamy G: Urticaria and urticarial vasculitis. Comp Ther 2003; 29: 146–56.
- Palazzo E, Bourgeois P, Meyer O, de Bandt M, Kazatchkine M, Kahn MF: Hypocomplementemic urticarial vasculitis syndrome, Jaccoud’s syndrome, valvulopathy: a new syndromic combination. J Rheumatol 1993; 20: 1236–40
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