Epidemisches Fleckfieber
Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16
Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.
ICD11: 1C30.0
- Ricketts 1909.
- Brill 1910.
Flecktyphus, Typhus exanthematicus, klassisches Fleckfieber, Läusefleckfieber.
Äußerst seltene, meldepflichtige durch Rickettsia prowazekii ausgelöste Erkrankung mit hoher Letalität.
- Erreger: Rickettsia prowazekii.
- Inkubationszeit: 7-14 Tage.
- Rickettsia prowazekii wird durch Kleiderläuse oder deren Kot übertragen. Die Erreger kommen im Rahmen des Saugaktes durch Hautläsionen in den Körper.
- Unspezifisches Frühstadium (Cephalgie, Abgeschlagenheit).
- Im Verlauf: Fieber, Somnolenz.
- 3.-6. Tage nach Beginn des Fiebers Auftreten von Roseolen mit teilweise punktförmigen Hämorrhagien am Stamm, welche sich zentrifugal ausbreiten. Palmoplantare Beteiligung.
- Muskelzuckungen, Druckempfindlichkeit peripherer Nerven, motorische Unruhe.
- Hypotonie.
- Bronchitis, Konjunktivitis, Splenomegalie.
- Meist sind Läuse nachzuweisen (Pediculosis corporis)
- Facies typhosa: Livid-rötliches Gesicht.
- Anamnese.
- Klinik.
- Läusebefall.
- BB (Leukopenie, Eosinophilie), Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte.
- Ab der 2. Krankheitswoche Weil-Felix-Reaktion (Agglutinationstest).
- Ab der 3. Krankheitswoche Komplementbindungsreaktion und indirekter Immunfluoreszenztest.
- Impfung vorhanden.
- Sofern keine frühzeitige Therapie erfolgt, ist mit einer hohen Letalität zu rechnen.
- In Fällen in denen die Antibiotika-Therapie frühzeitig abgebrochen wird, kann es zum Auftreten von Spätrezidiven kommen (Brill-Zinsser-Krankheit).
- Nach vollständig überstandener Erkrankung besteht lebenslange Immunität.
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- Ggf. intensivmedizinische Massnahmen und Verlegung auf die Intensivstation.
- Kontrolle der Vitalparameter, des Flüssigkeitshaushaltes, Elektrolyte und Eiweissersatz.
Topische Therapie
- Jacutin® Gel (Lindan) 0,3%. Anwendung nicht zu empfehlen, aufgrund neurotoxikologischer Nebenwirkungen. In der Schweiz ist Jacuin® nicht mehr am Markt.
- Loxazol Lot. 1% (nach 1 und 2 Wochen erneut anwenden).
- Permethrin 5% in z.B.: Excipial U Lipolotio.
- Prioderm® Shampoo (nach 1 und 2 Wochen erneut anwenden).
- Paranix® Sprax (Dimeticon), Einwirkzeit: 15 Min., ggf. Wiederholung nach 7 Tagen
- Lausweg® Schaumlösung, Einwirkzeit: 15 Min. , Wiederholung nach 7 und 14 Tagen.
- Rausch Laus stop® Creme, Einwirkzeit: 20 Min., Wiederholung nach 7 und 14 Tagen.
Systemische Therapie
- Doxycyclin p.o. 100 mg 2x tgl. für 8-10 Tage.
- Alternativ: Ciprofloxacin p.o 500 mg 2x tgl..
- Bei ausgeprägten Fällen ggf. i.v. Glukokortikoide 100 mg/d für 2-3 Tage.
- Kleider und Bettwäsche sollten im Rahmen der Sanierung mit mindestens 60°C gewaschen werden. Alternativ können diese auch in luftdichte Plastiksäcke für 3 Tage gelegt werden.
- 2x wöchentlich sollte eine Kontrolle aller Familienmitglieder mit dem Läusekamm erfolgen.
- Ein Schneiden der Haare ist nicht zielführend, da bereits 5 mm lange habe ausreichen um Nissen halt zu geben.
- Botelho-Nevers, E., et al., Treatment of Rickettsia spp. infections: a review. Expert Rev Anti Infect Ther, 2012. 10(12): p. 1425-37.
- Chapman, A.S., et al., Cluster of Sylvatic Epidemic Typhus Cases Associated with Flying Squirrels, 2004–2006. Emerg. Infect. Dis., 2009. 15(7): p. 1005-1011.
- Raoult, D., et al., Outbreak of epidemic typhus associated with trench fever in Burundi. The Lancet, 1998. 352(9125): p. 353-358.
- Beutler, M. (2007). Keine Panik bei Läusen!. Pharmajournal, (18), 4-8. Retrieved from http://www.pharmasuisse.org/data/Oeffentlich/de/Publikationen/AKA-Publikationen/07_18_Laeuse_2_d.pdf
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