Erythema infectiosum
Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16
Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.
ICD11: 1F04
Willan 1798, Sticker 1899, Cheinisse 1905.
Ringelröteln, 5. Infektionskrankheit, Megalerythem, Megalerythema infectiosum, Megalerythema epidemicum, Stickersche Krankheit, Ringelröteln, Ohrfeigenkrankheit, Backpfeifengesicht, Slapped-Cheek-Disease.
- Mittel kontagiöse, virale, durch Parvovirus B19 hervorgerufene Infektionskrankheit des Kindesalters.
- Geschichtliche Anmerkung:
- Das Parvovirus B19 ist das einzige Parvovirus, das den Menschen infizieren kann. 1975 wurde es durch Yvonne Cossart entdeckt und ist nach der Untersuchungsreihe benannt (Nummer 19 in Reihe B).
- Saisonal gehäuft in den Winter- und Frühlingsmonaten.
- Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.
- V.a. zwischen 4 und 10 Jahren auftretend.
- Durchseuchungsrate: 5-10% im Vorschulalter, bis 70% bei Erwachsenen.
- 300-500 Aborte pro Jahr sind Parvovirus B19 assoziiert.
- Kontagiösität besteht vor dem Auftreten eines Exanthems. Sofern Hautveränderungen sichtbar sind, ist eine Ansteckung nicht mehr möglich.
- Die Transmission erfolgt durch Tröpfcheninfektion, Hautkontakt oder infizierte Blutprodukte. Zwischen 4-14 Tagen beträgt die Inkubationszeit.
- Auslöser ist das einzelsträngige DNA-Virus Parvovirus B19 (Parvoviridae), das kleinste humanpathogene Virus.
- Hauptsächlich asymptomatisch verlaufend.
- Manchmal subfebrile Temperaturen und symmetrische Arthritiden der kleinen Gelenke.
- Betroffene Lokalisationen: Wangen, im Verlauf Streckseiten der Arme, Beine und das Gesäß.
- In bis zu 20% tritt ein Exanthem auf: Schmetterlingförmiges Exanthem im Gesicht, zum Teil auch diffuse oder figuriertes Erythem und Schwellung der Wangen (Ohrfeigengesicht), 1-3 Tage später kommt es zum Auftreten von girlandenförmigen bzw. retikulären, elevierten Erythemen am Stamm sowie an den Extremitäteninnenseiten.
- Charakteristisch ist das rezidivierende Aufflammen und wieder abblassen, was durch externe Faktoren (heißes Bad, Sonne, Stress) induziert werden kann.
- Der Allgemeinzustand ist zumeist gut.
- Bei Schwangeren sind bei Verdacht auf eine Parvovirus B19-Infektion weitere serologische Untersuchungen indiziert. Bei gesicherter Diagnose sind wöchentliche sonographische Kontrollen essentiell.
- Klinik.
- BB (Leukopenie, Eosinophilie (relativ)).
- Serologischer Nachweis (IgM und IgG), DNA-Nachweis mittels PCR.
- VP2-spezifische IgM (14d - 5 Monate nach Infektion positiv) und IgG (21d bis lebenslang nachweisbar).
Perifollikuläre Infiltration, Vergrößerung der Bindegewebsfasern.
- Aplastische Anämie (zu den Zielzellen des Parvovirus B19 gehören hämatopoetische Stammzellen).
- Aplastische Krisen v.a. bei Patienten mit bereits bestehenden hämatologischen Erkrankungen.
- Hydrops fetalis (bei Schwangerschaft aufgrund der Anämie bzw. Myokarditiden). Die Gefahr ist zwischen dem 4. und 5. Schwangerschaftsmonat am größten (bis zu 15% der Feten sterben).
- Enzephalitiden/Meningitiden
- Myokarditiden/Perikarditiden
- Nekrotisierende Vaskulitiden
- Zumeist Rückbildung innerhalb von 14 Tagen.
- Schulverbot für 10 Tage.
- Lebenslange Immunität.
- Es ist kein Impfstoff erhältlich.
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- Bettruhe
- Händedesinfektion.
Antipyretische Massnahmen:
- Wadenwickel
- Paracetamol
- Anw.:
- > 12 J. (>40 kg): Einzeldosis (ED): 500-1000 mg, max. Tagesdosis (TD): 4 g.
- 9-12 J. (30-40 kg): ED: 500 mg, max. TD: 2 g.
- 6-9 J. (22-30 kg): ED: 250-500 mg, max. TD: 750 mg.
- KI: Leberschäden, Niereninsuffizienz, akute Hepatitis, M. Meulengracht, Schwangerschaft, Stillzeit.
Topische Therapie
- Lotio alba
- Bei einem Hydrops fetalis sind intrauterine Erythrozytentransfusionen indiziert.
- Im Falle einer chronischen Parvovirus-B19-Infektion sowie bei immunsupprimierten Menschen ist die Gabe von IVIG zu diskutieren.
- Isolation von Patienten mit bekannten hämatologischen Grunderkrankungen.
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