Reed-Syndrom (Hereditäre Leiomyomatose und Nierenzellkarzinom, HLRCC)
Zuletzt aktualisiert: 2025-12-26
Autor(en): Navarini A.A.
ICD11: -
Sporadische kutane Leiomyome
Neurofibromatose Typ 1
Endometriose (bei uteriner Symptomatik)
Papilläres RCC ohne genetische Prädisposition
Hereditäre Leiomyomatose; Hereditary Leiomyomatosis and Renal Cell Carcinoma (HLRCC); Multiple kutane und uterine Leiomyome; MCUL-Syndrom.
Seltene autosomal-dominant vererbte Genodermatose, die durch das gleichzeitige Auftreten multipler kutaner Leiomyome, uteriner Leiomyome (Myome) und einem erhöhten Risiko für aggressive, papillär-typisierte Nierenzellkarzinome (RCC) gekennzeichnet ist. Ursächlich ist eine Keimbahnmutation im FH-Gen (Fumarat-Hydratase).
Sehr selten. Exakte Prävalenz unbekannt, vermutlich < 1:200.000. Manifestation typischerweise im jungen Erwachsenenalter. Beide Geschlechter betroffen, Frauen häufiger symptomatisch aufgrund uteriner Myome.
Zu den hereditären Tumorsyndromen zählend, speziell zu den FH-assoziierten Krebsprädispositionssyndromen.
Mutationen im FH-Gen (1q43) führen zu einem Funktionsverlust der Fumarat-Hydratase, einem Schlüsselenzym des Zitratzyklus. Die resultierende Anhäufung von Fumarat wirkt als onkometabolitisch aktiv und führt zu Hypoxie-induzierbaren Signalwegen (z. B. HIF-Stabilisierung), wodurch Tumorentstehung begünstigt wird. Der Gendefekt wird autosomal-dominant mit hoher Penetranz vererbt.
- Kutane Leiomyome (Piloleiomyome):
- Multiple, schmerzhafte, hautfarbene bis rötlich-braune Papeln oder Plaques
- Häufig an Rumpf, Extremitäten oder Gesicht
- Schmerzen spontan oder durch Kälte, Berührung, Druck
- Uterine Leiomyome (bei Frauen):
- Multipel, frühzeitig auftretend, therapieresistent
- Häufig symptomatisch: Dysmenorrhoe, Menorrhagie, Infertilität
- Nierenzellkarzinome:
- Meist papilläres Typ-2-RCC, oft unilateral, hochaggressiv, früh metastasierend
- Manifestation meist im jungen Erwachsenenalter (20–40 Jahre)
- Klinik: multiple schmerzhafte Hautknoten + Familienanamnese
- Histologie (Hautbiopsie): Bündel glatter Muskelzellen mit zentralen Zellkernen, keine Atypien
- Genetik: Nachweis einer FH-Keimbahnmutation
- Screening: Nieren-MRT jährlich ab dem Jugendalter empfohlen
- Haut: bevorzugt Extremitäten, Rumpf
- Uterus (bei Frauen)
- Nieren (bilateral möglich)
Junge Erwachsene mit schmerzhaften Hautknoten und/oder multiplen Myomen in der Familienanamnese; bei Männern asymptomatisch bis zur Nierenmanifestation.
Umfassende Bündel glattmuskulärer Zellen in der Dermis. Immunhistochemisch positiv für SMA, Desmin, Calponin. FH-Verlust kann mittels Immunfärbung nachgewiesen werden.
- Erhöhtes Risiko für Nierenzellkarzinome (ca. 15–30 % je nach Kollektiv)
- Massive uterine Blutungen, Infertilität
- Psychosoziale Belastung durch schmerzhafte Hauttumoren
Abhängig vom Tumorstatus. Haut- und Uterusmanifestationen gutartig, aber symptomatisch. Nierenzellkarzinome potenziell lebensbedrohlich. Frühdiagnose entscheidend für Prognose.
- Molekulargenetische Testung von Risikopersonen
- Lebenslanges Nierenscreening (MRT)
- Regelmäßige gynäkologische Kontrolle bei Frauen
- Kutane Leiomyome:
- Exzision bei Einzeltumoren
- Schmerztherapie: Calciumkanalblocker, Alpha-Blocker, Gabapentin
- CO₂-Lasertherapie in Einzelfällen
- Uterine Leiomyome:
- Myomektomie oder Hysterektomie je nach Beschwerdebild und Fertilitätswunsch
- Nierenzellkarzinom:
- Früherkennung entscheidend
- Resektion bei kleiner Tumorgröße
- Systemische Therapie bei Metastasierung (z. B. Tyrosinkinaseinhibitoren)
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