Gingivostomatitis herpetica
Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16
Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.
ICD11: 1F00.02
Stomatitis aphthosa, Mundfäule, herpetische Gingivostomatitis, infektiöse Aphthen, Stomatitis maculo-fibrinosa.
Durch Kontakt- oder Tröpfcheninfektion verursachte, oft unbemerkt ablaufende Erstinfektion, welche v.a. bei Kleinkindern epidemisch auftritt. Die Inkubationszeit beträgt 2-7 Tage. Als Auslöser fungiert der Herpes simplex Virus Typ 1.
Meist Kinder bis 5 Jahre.
- Schwellung, Erosionen, hämorrhagische Krusten enoral. Fieber, Unruhe, Erbrechen, reduzierter Allgemeinzustand, Krampfneigung. Foetor ex ore, Behinderung der Nahrungsaufnahme, erhöhter Speichelfluss. Lymphadenopathie
- Satelittenherde durch Autoinokulation z.B. Bläschen an Oberlippe, Naseneingang und Fingern
- Klinik
- Tzancktest (unspezifisch)
- ggf. Biopsie
- EM
- Kultur
- PCR
- Serologie
- Meningismus ausschließen
- Bakterielle Superinfektion
- Meningoenzephalitis herpetica
- Aphthoid Pospischill-Feyrter
Nach 1-2 Wochen narbenlose Abheilung, wenn nicht sekundär manipuliert.
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- Meist selbstlimitierend und keine Therapie nötig
- Empfehlungen (Lebwohl), je nach Klinik natürlich abweichend
First line: Topisch Aciclovir und peroral Aciclovir
Second Line: Topisch Penciclovir, peroral Valacyclovir, peroral Famciclovir
Intravenös Therapie mit Acyclovir oder Foscarnet.
Systemische Therapie
- Aciclovir
- Anw.: bei 3x 5mg/kg KG/d i.v. oder 5x 200mg/d p.o., bei Immunsuppression 10mg/kg KG/d i.v.
- KI: Überempfindlichkeit, Stillzeit (da Übertritt in Muttermilch)
- NW (sehr häufig): Kopfschmerzen, Nausea
- CAVE:
- Bei älteren Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von reversiblen, neurologischen Störungen
- Anpassung der Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
- Genügend Flüssigkeitszufuhr
- Valaciclovir
- Anw.: 500 mg 2x/d für 7d
- KI: Überempfindlichkeiten, Stillzeit
- NW (häufig): Kopfschmerzen, Übelkeit
- CAVE:
- Anpassung der Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
- Hydratationszustand
- Famciclovir
- Anw: 500 mg 2x/d
- Bei Pat. >50 kann sollte zur Prävention einer Zosterneuralgie 500mg 3x/d gegeben werden
- Von den Mahlzeiten unabhängig
- WW: Probenecid
- KI: Schwangerschaft, Stillzeit, Überempfindlichkeiten gegen Famciclovir oder Penciclovir
- CAVE:
- Bei Patienten mit dem Risiko einer Dehydratation, speziell bei älteren Patienten, soll auf eine adäquate Flüssigkeitszufuhr geachtet werden
- Wirksamkeit bei schwarzen Patienten möglicherweise reduziert
- Foscarnet
- Bei Immunsuppression und Aciclovir-Resistenz
- Anw.: 3 x 40 mg/kg KG/d i.v.
- KI: Überempfindlichkeit, Schwangerschaft, Stillzeit
- NW (sehr häufig): Granulozytopenie, Anorexie, Hypokaliämie, Hypomagnesämie, Hypokalzämie, Parästhesien, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Rash, erhöhtes Serumkreatinin, Fieber, Müdigkeit, Frösteln, Asthenie
- CAVE:
- Anpassung der Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
- genügend Flüssigkeitszufuhr
- Brivudin (Tbl.)
- off-lable-use
- Anw.: 125 mg 1x/d für 7 Tage
- WW: 5-Fluorouracil- Präparaten (zeitlicher Abstand mindestens 4 Wochen)
- NW (häufig): Nausea
- KI: 5-Fluorouracil- Therapie, Schwangerschaft, Stillzeit, Überempfindlichkeit gegenüber Inhaltsstoff, nicht an Kindern und Jugendlichen getestet
- Lidocain (Lutschtabletten)
- Anw.: max. 12 Stück/d
- KI: <12 J.
- Lidocain (Mundgel)
- Anw.: Auf Schmerzende Stellen: >12 J.: bis 4x tgl.
- KI: Schwangerschaft und Stillzeit
- Chlorhexidin (Mundspüllösung 0.2%)
- Anw: Nach dem Zähneputzen anwenden
- 6-12 J.: nach zahnärztlicher Rücksprache
- >12 J.: 2x tgl. Mund für 1 Minute spülen
- Kamillenextrakt
- Anw.: 3-mal tgl. oder öfters
- >6 Jahre: In 1 Glas warmes Wasser ½ Kaffeelöffel
- 1-6 Jahre: 1, 5 ml in 1 L Wasser 1x tgl.
- KI: Überempfindlichkeiten gegen Inhaltsstoffe
- Dexpanthenol (Lösung)
- Anw.: unverdünnt oder verdünnt mit abgekochtem Wasser mehrmals täglich gurgeln
- KI: Überempfindlichkeiten gegen Inhaltsstoffe
- Bettruhe
- ggf. Paracetamol
- Ausreichend Flüssigkeit- und Kalorienzufuhr
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