Akute generalisierte exanthematische Pustulose

Letztmals aufdatiert: 2019-03-15

Autor(en): -

Macmillan (1973), Tan (1974), Beylot (1980)

  • akute generalisierte Pustulose
  • Pustulosis acuta generalista
  • akutes generalisiertes pustulöses Bakterid
  • acute generalized exanthematous pustulosis
  • pustular drug eruption
  • pustular drug rush
  • toxic pustuloderma
  • AGEP
  • PEAG
  • akute generalisierte exanthematische pustulöse Dermatitis
  • toxisches Pustuloderm
  • Pustuloses exanthématique aigës généralisés

Seltene Spezialform der inflamatorischen Arzneimittelreaktion mit synchronem Auftreten von kleinen, prallen, sterilen und nicht follikulären Pusteln, die sich z.T. auf einem Ertythem befinden und besonders Stamm und distale Extremitäten betreffen.

  • 1-5Fälle/1Mio/Jahr
  • häufigeres Auftreten bei Patienten mit Psoriasis in der Vorgeschichte
  • keine besondere Altersdisposition bekannt
  • genauer Mechanismus unklar
  • Mutation im IL36R Gen bekannt bei diesen Patienten
  • vermehrte Bildung von IL-23, IL-17 und IL-8 nachgewiesen
  • mehr HLA-B5, HLA-DR11 und HLA-DQ3 exprimiert bei Kranken
  • Man geht von einer vorhergehenden Sensibilisierung aus. Die Neutrophilie im Blut und die Akkumulation von Neutrophilen in den Läsionen lassen eine Freisetzung von aktivierenden Zytokinen durch membrangebundene spezifische T-Lymphozyten vermuten. Dies hat einen zytotoxischen Effekt auf die Zellen zur Folge.
  • kleine, pralle, sterile, nicht follikuläre Pusteln von gelber oder weisser Farbe z.T. mit Basiserythem
  • akutes Auftreten, dabei erfolgt der Start meist im Gesicht und grossen Beugen (Axilla, Leiste, submammär), von wo aus dann eine Dissemination innerhalb von Stunden auf den Restlichen Körper erfolgt
  • raschere Verlauf
  • Allgemeinbefinden ist beeinträchtigt
  • Auftreten oft mit Fieber und Leukozytose
  • z.T. Pruritus oder Brennen
  • in 50% der Patienten finden sich folgende Symptome: Gesichts- und Handödeme, Purpura, Vesikel, Bullae, Läsionen, ähnlich jenen des Erythema multiforme
  • Milde bis moderate Eosinophilie, renale Dysfunktion (transient), Hypokalzämie
  • Schleimhaut- und systemische Beteiligung möglich
  • in 90% der Fälle durch Medikamente ausgelöst, meist assoziiert mit β-Lactamen (Penicillin, Aminopenicillin, Cephalosporin) und Makrolidantibiotika. Weitere Medikamente sind: Kalziumkanalblocker (v.a. Diltiazem), Antimalaria-Medikation, Carbamazepine, Acetaminophen (Parazetamol), Antimikrobiotika (Terbinafin, Metronidazol, Isoniazid, Vancomycin, Doxycyclin), Sulfonamide.
  • Auftreten bis zu 3 Wochen nach Arzneieinnahme möglich
  • 10% durch andere Ursachen bedingt, wie: Enterovirus-Infektion, Quecksilberexposition oder Kodextrinexposition bei peritonealer Dialyse.
  • dauert 1-2 Wochen, gefolgt von anularer, oberflächlicher Abschuppung (korneolytische Schuppenkrause)
  • Klinik
  • Labor: pathologische Entzündungsparameter mit ausgeprägter Leukozytose (>15’000 Leukozyten/ul) und markanter Neutrophilie, moderate Eosinophilie, Nierenparameter (transiente renale Dysfunktion), Hypokalzämie
  • Histologie mit subkornealen Pusteln
  • Pustelausstrich, um eine mögliche Infektion nicht zu verpassen
  • Patch-Test / Epikutantestung ist in 80% der Fällen positiv auf das verantwortliche Medikament

Anfangs Gesicht und grosse Körperbeugen (Axilla, Leiste, submammär), dann im Verlauf auch an Stamm und distalen Extremitäten

  • nach vorheriger Arzneimittelreaktion fragen (in 86% der Patienten vorhanden)
  • Medikamente und deren Einnahme erfassen
  • Psoriasis in der Vorgeschichte abklären
  • Verlauf der Läsionen erfragen

Neu auftretende Dermatitis oder andere generalisierte Erosionen der Haut können einige Monate nach dem Abheilen der akuten generalisierten exanthematischen Pustulose in einigen Patienten beobachtet werden

auslösende Medikamente meiden

  • spontane Abheilung innerhalb von 10 Tagen – 4 Wochen
  • wenn medikamenteninduziert gilt: je schneller die Absetzung erfolgt, umso besser
  • abhängig von Alter und Grunderkrankung des Patienten
  • meist reicht das Absetzen des auslösenden Medikaments
  • Topische Steroide der Klasse III, IV.
  • In der Eruptionsphase besteht die Möglichkeit eine systemische Steroidtherapie zu initiieren. Initial: 250-150mg Prednisolon/Tag i.v., nach Aktivität der Erkrankung laufend um 50mg reduzieren, ab 50mg-Dosis auf orale Abgabe umsteigen und in 5mg-Schritte weiter reduzieren.
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