Verrucae vulgares

Letztmals aufdatiert: 2021-10-15

Autor(en): -

Ciuffo, 1907.

Vulgäre Warzen.

Häufige zelluläre Infektion mit HP-Viren.

  • Inzidenz von Kindern ca. 10%
  • Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche
  • Viruswarzen werden durch humane Papillomaviren (HPV), welche obligat intrazelluläre Erreger sind, ausgelöst. Die Viren gelangen durch Verletzungen der Haut bzw. Schleimhaut in die Epidermis, wo sie Wirtszellen finden und diese morphologisch verändern. Das virale Genom wird repliziert und es kommt zu einer Ausbreitung der Viruswarzen
  • Prädispositionierende Faktoren: Immunsuppression, Atopie, Sebostase oder Hyperhidrose und Akrozyanose

Einteilung nach Morphologie und Lokalisation

  • Verrucae vulgares
  • Verrucae plantares (Dornwarzen)
  • Verrucae palmares
  • Verrucae paronychiales
  • Verrucae subunguales

 

Besondere Erscheinungsformen

  • Verrucae filiformes
  • Mosaik-Warzen
  • Verrucae planae juveniles
  • Epidermodysplasia verruciformis
  • Meist < 1 cm durchmessende hyperkeratotische, hautfarbene bzw. graugelbliche, derbe, papillomatöse Tumoren mit verrucöser Oberfläche
  • Dermatoskopie
    • Keine Pigmentierung, hautfarbene bis rosa Schollen mit zentral lokalisiertem Punktgefäß
  • Klinische Diagnose
  • Falls Unsicherheiten aufgrund ungewöhnlicher Lokalisation oder des schnellen Wachstums bestehen, ist die Durchführung einer Biopsie indiziert

Biopsie

  • In Paraffin für HE Färbung
  • Indiziert bei Therapieresistenz oder atypischem klinischen Bild

HPV Subtypisierung mittels PCR

  • Nur in Ausnahmefällen nötig
  • Ist aus Paraffinmaterial möglich
  • Anforderung: Am Histozettel notieren oder über Histologieassistenten bestellen

Palmoplantar, an den Handrücken, periunguinal und selten an der Nasenspitze.

Starke Akanthose, Papillomatose, Hyperkeratose, Hypergranulose, vakuolisierte Zellen, Koilozyten, Verbreiterung des Stratum granulosum (fehlt bei Condylomata acuminata).

  • Sehr hohe Rezidivraten
  • Patienten über die Wichtigkeit der Adhärenz aufklären
  • Eine Impfung, wie es sie bei anderen HPV-induzierten Erkrankungen gibt, besteht nicht
  • Vor Therapie muss der Patienten über mögliche NW aufgeklärt werden (Rötung, Schmerzen)
  • Gesunde Haut sollte immer geschützt werden z.B. mit Pasta zinci mollis
  • Desinfektion von Schuhwerk zielführend
  • Vermeiden von barfüssiger Fortbewegung
  • Nikotinkarenz, um Vasokonstriktion zu vermeiden
  • Vor Beginn der Therapie macht es meist Sinn, die Hyperkeratosen abzutragen
  • Vor Beendigung der Therapie sollte eine erneute ärztliche Konsultation erfolgen, da die hohe Rezidivquote vor allem mit zu früher Beendigung der Therapie in Verbindung gebracht wird. Alle Therapien sollten unserer Erfahrung nach mindestens 4 Wochen über die Symptomfreiheit hinaus angewendet werden.

Standard-Therapie:

Exazerbationsstufe I:

Schritt 1: Keratolyse, z.B. mit Salicylsäure-Pflaster, Wechsel alle 3 Tage. Bei jedem Wechsel warmes Schmierseifenbad und mechanische Keratolyse (Bimsstein, Feile) durch den Patienten. Therapiedauer: Ca. 14 Tage, richtet sich nach der Dicke der Hyperkeratose. Alternative: Lsg. aus Salicylsäure und Milchsäure: mittels Spatel 2x tgl. auftragen. KI: Anwendung im Gesicht, Genitalbereich, auf Muttermalen und behaarten Warzen. Anwendung bei Kindern ab 3 Jahren.

Schritt 2: Mechanische Abtragung nach warmen Schmierseifenbad alle 3 Tage durch den Patienten.

Schritt 3: Kryotherapie (NO2 Spray oder Stäbchen, 3x 5-10 Sekunden) und mechanische Abtragung. Wird bei jeder Kontrolle durch die Pflege durchgeführt. Kontroll-lntervall 14 Tage. Cave: Gelenks- und Sehnenbereich, Immunsupprimierte, Diabetes mellitus, Dunkelhäutige

Schritt 4: 5-Fluorouracil & Salicylsäure , 2x/d auf die Warzen durch den Patienten, Kontraindikationen: Schwangerschaft

Exazerbationsstufe II:

Diphenylcyclopropenon (DCP) oder Imiquimod

DCP Prozedere:

Schritt 1: Sensibilisierung an Warzen mit DCP 0.5% in Duofilm, darüber Okklusivverband für 24h.

Schritt 2: Nach 1 Woche DCP 0.05% in Duofilm auf die Warzen, darüber Okklusivverband für 24h. Wiederholung durch den Patienten 1x/Woche.

Schritt 3: Kontrolle und Auftragen von DCP 0.05% in Duofilm im Verbandszimmer alle 4 Wochen.

Kontraindikationen: Schwangerschaft/Stillzeit, Vitiligo, Kinder < 8 jährig, Dunkelhäutige

Imiquimod Prozedere:

Anwendung 3x pro Woche bzw. bis Entzündung klinisch sichtbar, für 8-16 Wochen aufrecht erhalten.

Exazerbationsstufe III:

Salpetersäure

Schritt 1: Keratolyse (siehe Schritt 1 der Standardtherapie)

Schritt 2: Salpetersäurelösung auf die Warzen mit Glaspipette auftragen und einreiben. Behandlung alle 3 Wochen im Verbandszimmer.

Schritt 3: Abtupfen der Behandlungsstelle mit 80% igem Alkohol 2-3x/d durch den Patienten.

Cave: Behandlungsfläche sollte nicht grösser als 2 cm im Durchmesser sein

Kommentare zu einzelnen Therapien:

  • Chirurgische Exzision: ist obsolet (CAVE: ↑ Rezidivrate)
  • Kryotherapie: effektiv, schnell und kostengünstig. Idealerweise nicht an den Beinen um Ulcera zu vermeiden
  • Laser: sowohl CO²-, Erbium, als auch Farbstofflaser haben sich als sehr effektive Therapievarianten etabliert. KI: Verrucae plantares (Narbenbildung)
  • Elektrokoagulation: nur mit Lokalanästhesie. Auch der Warzengrund muss zusätzlich abgetragen werden. Als limitierend erscheint hier vor allem die zu erwartende Narbenbildung.
  • Salicylsäure-Pflaster: 12-24 Stunden auf die Warze applizieren, dann Abtragung der aufgeweichten Haut. Die Abtragung kann mittels Skalpell, scharfen Löffel oder Bimsstein erfolgen
  • Berner Warzensalbe: Nur als Magistralrezept erhältlich. Die Salbe darf lediglich auf die Verruca appliziert weden. Umliegende Haut gut schützen. Dann sollte eine Okkulsionsbehandlung angestrebt werden. Nach täglichem Wechsel kann eine Abtragung der Haut nach ca. 2-3 Tagen erfolgen
  • Kombination aus 0,5% Fluorouracil-Lsg und 10% Salicylsäure als Lotion: 2-3x tgl. für ca. 6 Wochen anwenden. CAVE: Keine gleichzeitige Anwendung von Brivudin
  • Imiquimod 3x wöchentlich für 12 Wochen, off-label-use, Anw.: 5x/ Woche über mehrere Wochen, maximal 16 Wochen. Zuvor Abtragung der Warzenoberfläche notwendig. NW: Rötung, Juckreiz, Brennen, Erosion der Haut. Pat. vor Beginn der Therapie hierüber aufklären!
  • Salpetersäure Lösung: Aufgrund des niedrigen pHs kommt es zu einer ausgeprägten Keratolyse. Die erste Anwendung muss durch den Arzt erfolgen. Patientenschulung ist wichtig. Vor Anwendung ist eine Desinfektion zum Entfetten der Haut wichtig.
  • Ameisensäure: 1x tgl. Applikation bis zur Symptomlosigkeit. Nach Angaben des Herstellers sind nach 12 Tagen 90% der Patienten warzenfrei
  • Monochloressigsäure: 1x/ Woche, Anwendung für 2-3 Wochen an den Händen und für 3-4 Wochen an den Füssen. Punktuelle Applikation und Abdecken mit einem Pflaster. Nach 4-6 Tagen Entfernung der gesamten Verruca. KI: Gesicht, Genitalbereich, Schwangerschaft, Stillzeit
  • Silbernitrat / Silbernitratstäbchen: Hier erfolgt eine chemische Kauterisierung. Nach Anfeuchten des Holzstäbchenkopfs mit Wasser erfolgt das Benetzen der Warzenoberfläche. Dies kann 1-2x pro Woche (insgesamt max. 3x, bei Dornwarzen 6x) erfolgen
  • Podophyllin/Podophyllotoxin: 2x tgl. für 3 an einander folgenden Tagen applizieren. Ggf. wiederholen
  • Bleomycin nur als Magistralrezept erhältlich. 15 mg (15 IU) Bleomycin in 50 ml 1%iger Lidocainlösung (≙ einer Konzentration von 0,03%) intraläsional. Zuvor Abtragung der Hornschicht mittels Ringkürette, dann Applikation mittels Dermoject in mehreren Schüssen (kurzzeitig schmerzhaft). Die entstandene Nekrose wird nach 2 Wochen durch den Arzt abgetragen. KI: keine Anwendung an den Händen
  • Photodynamische Therapie (PDT): Nach Abtragen der Hyperkeratosen, ist das Auftragen der  5-Aminolävulinsäure- Creme durchzuführen. 3 Stunden später kann eine 7 minütige PDT mit einem Abstand von 7 cm erfolgen. Schmerzen können während der Behandlung auftreten. In den Folgetagen muss mit Rötungen in der Umgebung gerechnet werden
  • Interferon: wurde in verschiedensten Anwendungsformen versucht (intraläsional oder als Externum). Der praktische Nutzen ist jedoch aufgrund der hohen Kosten beschränkt
  • Altmeyer, Peter. Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin. Heidelberg: Springer Medizin, 2011. Print.
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