Epidemisches Rückfallfieber
Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16
Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.
ICD11: 1C30.0
- Rutty 1770.
- Craigie 1843.
- Obermeier 1873.
Febris recurrens, Läuserückfallfieber, louseborne relapsing fever.
Das epidemische Rückfallfieber ist eine meldepflichtige Infektion mit Borrelien.
- Epidemische Rückfallfieber = Osteuropa, Asien, Afrika, Südamerika
- Über 10 Millionen Opfer (in der Zeit der Weltkriege)
- Erreger
- Epidemische Rückfallfieber: Borrelia recurrentis
- Inkubationszeit: 3-18 Tage
- Prädispositionsfaktoren: mangelnde Hygiene. Ausbreitung von Kleiderläusen. Beim „Zerschlagen“ kommt es zur Freisetzung der B. recurrentis, welche über Hautläsionen in den Organismus eindringt. Eine Übertragung durch Exkremente oder Speichel ist ausgeschlossen.
- Rezidivierende Fieberschübe mit red. AZ für 2-6 Tage
- Fieberfreie Intervalle dauern meist 4-10 Tage an
- Durch Bakteriämie kommt es zum Organbefall mit:
- Hepatosplenomegalie
- Ikterus
- Blutungen des GI-Traktes
- Myalgien und Anthralgien
- Pneumonie
- Nephritis
- ZNS-Beteiligung
- Myokarditis
- Iritis, Iridozyklitis
- Makulöses Exanthem und Enanthem
- Hygienezustand?
- Reiseanamnese?
- Patient mit Migrationshintergrund aus o.a. Ländern?
- Läusebefall?
- Blutkulturen
- Borellien-Serologie
Myokarditis.
- Todesgrund meist Myokarditis
- Ohne Antibiotikatherapie: bis zu 70% Letalität
- Mit Antibiotikatherapie: < 1% Letalität
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- Meldepflicht
- Doxycyclin p.o. 100 mg 2x tgl.
- Alternativ: Erythromycin p.o. 500 mg 3x tgl., Maximaldosis: 4 g/d (Erwachsene), 40-100 mg/kg KG/Tag (5-12 J.) bei Schwangeren und kleinen Kindern empfohlen.
- Antipyretika z.B.:
- Paracetamol (bei Fieber) p.o. 500-1000 mg, max. Tagesdosis (TD): 4 g (> 12 J. und >40 kg); 500 mg, max. TD: 2 g (9-12 J. und 30-40 kg); 250-500 mg, max. TD: 750 mg (6-9 J. und 22-30 kg)
- Ggf. systemische Glukokortikoide zur Vermeidung einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion
- Bei Läusen: Eradikation mit
- Permethrin 5%-Creme
- Anw.: Einmalig für 12 Std. anwenden und dann gut abwaschen. Ggf. ist eine Wiederholung 14 Tage später indiziert.
- Alternativ: Crotamiton10%
- Anw.: 1x tgl. an 5 aneinander folgenden Tagen.
- Alternativ: Benzylbenzoat 25% und Benzylbenzoat 10% (nicht in der Schweiz registriert)
- Anw.: 1x tgl. an 3 aneinender folgenden Tagen
- Alternativ: Allethrin I
- Anw.: 1x tgl. an 3 aneinender folgenden Tagen
- Wäsche mit > 60°C Waschen oder in versiegelten Plastiksäcke für 3 Tage belassen. Ggf. Behandlung wiederholen.
- Zur Vermeidung eines anschliessenden Ekzems empfehlen wir die Anwendung von Elocom-Creme 1x tgl. für 3 Tage nach Behandlung
Kinder ≥ 2 J.
- Permethrin5%
- Anw.: Einmalig für 12 Std. anwenden und dann gut abwaschen. Ggf. ist eine Wiederholung 14 Tage später indiziert.
- Alternativ: Benzylbenzoat10%
- Anw.: 1x tgl. an 3 aneinender folgenden Tagen
- Alternativ: AllethrinI
- Anw.: 1x tgl. an 3 aneinender folgenden Tagen
- Alternativ: 5%Teebaumöl
Neugeborene, Säuglinge, Kinder < 2 J.:
- Alle Therapien erfolgen off-label!
- Permethrin 2,5%
- Anw.: Einmalig für 12 Std. anwenden und dann gut abwaschen. Ggf. ist eine Wiederholung 14 Tage später indiziert
- Alternativ: Crotamiton10%
- Anw.: 1x tgl. an 5 aneinander folgenden Tagen
- Nicht: Benzylbenzoat (Gasping-Syndrom)
- Die Behandlung sollte am gesamten Integument durchgeführt werden (inkl. behaarter Kopfhaut). Mund und Augen müssen ausgespart bleiben
Immunsupprimierte Patienten:
- Permethrin 5%
- Anw.: Einmalig für 12 Std. anwenden und dann gut abwaschen. Ggf. ist eine Wiederholung 14 Tage später indiziert
- Bei Rezidiv: zusätzlich Ivermectin p.o. 200 μg/kg KG (max. 400 μg/kg KG) als Einmaldosis ggf. Wiederholung nach 14 Tagen
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