Nummuläres Ekzem
Zuletzt aktualisiert: 2024-10-29
Autor(en): Anzengruber F.
ICD11: EA82
Devergie 1857.
Dysregulativ- mikrobielles Ekzem, nummuläre Dermatitis, diskoides Ekzem.
Chron.-rezidivierende, oftmals stark pruriginöse Ekzeme mit münzartigen (nummulären) Herden.
- Häufigkeitsgipfel: 50.- 70. Lj.
- Frauen < Männer.
- Prävalenz: Je nach Studie zwischen 0,1- 9,1% der Bevölkerung.
Unklare Ursache, wahrscheinlich polyätiologisch.
Vermutlich wichtigster Faktor: Chronische mikrobielle Besiedlung (Streptokokken, Staphylokokken)
Streptokokken und Staphylokokken können ekzematöse, allergische Reaktionen hervorrufen.
Xerosis cutis und atopische Diathese fördern die Besiedlung durch S. aureus.
- Infektionen (z.B. Bronchitis, Sinusitis, Kandidosen) sind wahrscheinliche Triggerfaktoren.
- Kontaktallergien (Bakterienantigene?)
- Sowohl Streptokokken oder Staphylokokken können im Sinne einer ekzematösen, kontaktallergischen Reaktion gegenüber mikrobiellen Antigenen oder auf direktem Weg, die Erkrankung auslösen.
- Xerosis cutis und atopische Diathese können S. aureus die Möglichkeit geben, sich festzusetzen.
- Infektionen (Bronchitis, Sinusitis, dentale Foci, Kandidosen, etc.) fungieren wahrscheinlich als Triggerfaktor.
- Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI).
- Lokalisation
- Meist sind die vor allem die Unterschenkel betroffen, jedoch können die Läsionen disseminiert auftreten. Insbesondere sind die Streckseiten (Unterschenkel, Oberarme, Fußrücken) tangiert.
- Scharf begrenzte, erythematöse, unterschiedlich stark psoriasiform schuppende, teils krustig belegte, oft pruriginöse Papeln, Papulo-Vesikeln oder meist Plaques.
Suche nach den gelblich-verkrusteten Plaques, welche sich mit feuchter Dermatoskopie als yellow crust sign zeigen (gelbliche Inselchen, teils etwas bluttingiert), und dermatopathologisch Serumexsudaten entsprechen.
- Anamnese hinsichtlich möglicher Auslöser (Berufsanamnese).
- Klinik und Dermatoskopie: Yellow Clod Sign, gelbliche Inselchen nach Befeuchtung
- Bakt.-Abstrich von nummulären Herden (Streptokokken, Staphylokokken), Nasenvorhofabstrich.
- Biopsie: Sofern möglich, keine Entnahme an den Unterschenkeln. denn dermatopathologisch oft von Stase-Vaskulitis nicht abgrenzbar.
- Myko-Abstrich (nativ, Kultur).
- Fokussuche
- Anamnese: Durchfall? Grippaler Infekt? Brennen beim Wasserlassen? Produktiver Husten? Zahnschmerzen? Sinusitis?
- Labor:
- Diff.-Blutbild, Blutsenkung, CRP, Antistreptolysintiter
- Urinstatus.
- Hämokkult (Stuhl-Untersuchung auf pathogene Keime).
- EKG
- Urease-Atem-Schnelltest z.A. einer Helicobacter-pylori-Inf.
- Fokussuche (LK-Palpation, Röntgen-Thorax, Oberbauchsonographie)
- Konsil: HNO, zahnärztliches Konsil, bei Frauen: gynäkologisches Konsil.
- Erhöhte Antistreptolysintiter
- Untersuchung auf klinische Atopiezeichen, Intrakutantestung, RAST und IgE-Bestimmung.
Prädilektionsstellen Unterschenkel, Handrücken, Unterarme. Es kommt nicht an Handflächen und Fusssohlen vor. Bei Kindern ist die Lokalisationstendenz weniger klar, so kann es auch am Stamm und Gesicht auftreten.
Akutes oder subakutes Ekzembild, Serumexsudate, Ödem der papillären Dermis, perivaskuläres lymphozytäres Infiltrat, Akanthose, Orthokeratose, fokale Epidermotropie, Spongiose, fokale Hyper- und Parakeratose, oftmals an ein psoriasiformes Bild erinnernd, keine Munro-Abszesse.
- Adäquate Hygiene
- Rückfettung (assoziiert mit Xerosis cutis)
- Sanierung S. aureus Trägerstatus
Meist chron.-rezidivierender Verlauf.
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- Behandlung der auslösenden Faktoren.
- Behandlung möglicher Foci.
Hautpflege:
- Da mit Xerosis cutis assoziiert, muss eine adäquate Rückfettung rezeptiert werden: Lipolotio (z.B. Excipial U Lipolotio) mind. 2x tgl.
- Balneum Hermal F Badelösung oder DerMed Waschlotion je nach Vorliebe Patient für Baden oder Duschen
Topische Therapie:
- Sicorten® Plus Creme 0.05 %, Fucicort® Crème für 14 Tage tgl., dann 2x pro Woche
- Clarelux® Schaum zur Anwendung auf der Haut bei schlecht Salben-Therapieadhärenten Patienten
Phototherapie
- UVBnb, UVA1-Therapie, PUVA-Therapie
Systemische Antibiose bei bestätigter Besiedlung und Therapieresistenz
- Cefuroxim p.o. 500 mg 2x tgl.
Falls akut notwendig: Prednisolon (Spiricort®) p.o. 60-80 mg 1x tgl. über 7 Tage, dann ausschleichen.
-
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