Handekzem
Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16
Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.
ICD11: EA85.2Z
Dermatitis der Hände, Dermatitis der Füsse, palmoplantare Dermatitis, palmare Dermatitis, plantare Dermatitis, Handeczem, Fusseczem, Ekzem der Hände, Ekzem der Füsse, chronische Handdermatitis, chronische Fussdermatitis, chronisches Handekzem, palmoplantares Ekzem, tylotisches Ekzem, hyperkeratotisches Ekzem, rhagadiformes Ekzem, irritativ-toxisches Ekzem, kumulativ-irritatives Ekzem, kumulativ-toxisches Ekzem, palmares Ekzem, plantares Ekzem.
Entzündung der akralen Haut, welche einerseits akut auftreten kann (Bezeichnung Dermatitis), andererseits chronisch (dann Ekzem genannt). Sehr häufiges Krankheitsbild. Multiple Aetiologien, in den verschiedenen Einteilungen weiter stratifiziert.
- Inzidenz: 5/1000/Jahr
- 1-Jahres Prävalenz: ca. 10% der Bevölkerung
- 1-10% der berufstätigen Bevölkerung leidet an einem schweren Handekzem
Einteilung nach Schweregrad
- Leichtes Handekzem: Heilt schnell wieder ab
- Mittelschweres: Besteht trotz Therapie für Wochen
- Schweres Handekzem: Ausgedehnte dauerhafte oder rezidivierenden Hautveränderungen von erheblichem Krankheitswert
Einteilung nach Dauer
- Akut: < 3 Monate
- Chronisch rezidivierend:
- ≥ 3 Monate trotz Therapie und Prävention oder
- 2 Rezidive innerhalb von 12 Monaten
Einteilung nach Ätiologie
- Subtoxisch-irritatives Handekzem
- Allergisches Handekzem
- Atopisches Handekzem
Einteilung nach Morphe
- Hyperkeratotisches-rhagadiformes Handekzem
- Hyperkeratotisches Handekzem
- Dyshidrosiformes Handekzem
Sonderform: Fingerkuppenekzem
- Je nach Untertyp
- Kumulativ-toxisch(-irritatives) Handekzem:
- ↑ Feuchtbelastung, Arbeit mit toxischen und subtoxischen Substanzen (dazu gehört auch Wasser)
- Kontaktallergisches Handekzem:
- Kontakt zu Typ IV-Allergenen, die bei der Person eine Kontaktallergie auslösen. Meist beruflicher Zusammenhang
- Atopisches Handekzem:
- Atopie in der Eigen- oder Familienanamnese
Je nach Subtyp.
- Anamnese hinsichtlich ätiologisch bedeutsamer Faktoren (Atopie, Kontaktallergien, Hyperhidrose, psychische Stressoren, Psoriasis, Aggravationsfaktoren, Hobbies, häusliche Belastung, sowie bisherige Therapie und Prävention)
- Mykologie (Leitlinien-gemäß sollte bei allen Handekzemen eine Tinea manuum ausgeschlossen werden)
- Atopie-Screening
- Anamnese
- Familienanamnese
- Klinisch Atopiezeichen (Atopie-Score nach Diepgen kann bei Unklarheit helfen)
- Labor: ges. IgE, sx‐1, fx‐5, Phadiatop
- Ggf. Pricktestung
- Epikutan-Testung, auch Photopatch nicht vergessen falls nützlich erscheint
- Biopsie (wird viel zuwenig durchgeführt, doch ist sie diagnostisch sehr nützlich und kann molekular auch eine palmoplantare Psoriasis ausschliessen).
Kontaktallergische Genese: Nicht selten zuerst an den Handrücken bzw. Fussrücken manifest, da hier die Haut dünner ist.
- Superinfektion, Impetiginisierung
- Gramnegativer Vorfußinfekt
- Eintrittspforte (Rhagaden) für Erysipele
- Beim Putzen (vor allem bei scharfen Putzmitteln) und bei Wasserkontakt Handschuhe tragen
- Ggf. mehrmaliges Wechseln der Handschuhe
- Ansonsten sollte das Tragen von Handschuhen gemieden werden (Feuchtbelastung)
- Mehrmals tgl. rückfetten
- Meidung alle Typ I-& IV-Allergene!
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Basistherapie (Therapiestufe 1)
- Therapie der Grunderkrankung
- Bei kontaktallergischer Ätiologie
- Nikotinkarenz
- Hochlagerung der erkrankten Extremitäten
- Ein psychiatrisches Konsil kann bei Verdacht auf psychogene Auslöser diskutiert werden. Wir raten von der Anwendung von Psychopharmaka (z.B.: Opipramol oder Sedativa) ohne Rücksprache mit einem Psychologen bzw. Psychiater ab
- Es ist unsicher, ob eine nickel- oder chromfreie Diät (bei Kontaktsensibilisierung darauf) zielführend ist
Hautpflege
- Rückfettende Handcrème, idealerweise mit Urea (5%) oder anderen wasserspeichernden Substanzen (Lactat) sowie Glycerin
- Bei Dyshidrose machen Handpflegemittel mit Aluminium zur Unterdrückung der Feuchtigkeit Sinn
- Synthetische Detergenzien mit Rückfettungsfunktion
- Adstringentia/Antiphlogistika-Lsg. (für Handbäder)
- Schwarztee-Handbäder
Rhagaden
- 2-Octylcyanoacrylat-Kleber führen zur sofortigen Schmerzfreiheit. 2 Personen zum Kleben, vor dem Kleben mit wässriger Lösung desinfizieren. Wasser aktiviert den Kleber, d.h. der Kleber hält dann sogar noch besser
- Gut klebende Stoff-Tapes eignen sich zum bis wochenlangen Stabilisieren von Schwachstellen
Topische Therapie (Therapiestufe 2)
- Mometasonfuorat oder Clobetasol Propionat Crème / Salbe
- Topische Calcineurininhibitoren (Tacrolimus / Pimecrolimus)
- Polyvidonjod- Wundsalbe / Lösung / Salbengaze
- Triclosan-Hautwasch Lotion
- Akutes, nässendes Stadium: Eher feuchte Topika, fettreiche haften nicht.
- Chronisches Stadium: Fettsalben, da diese okklusiv sind und Feuchtigkeit in der Haut zurückhalten
- Feuchte Verbände mit NaCl 0,9%-Lsg. bei ↑ Eruptionsdruck
- Bei Hyperhidrose Leitungswasser-Iontophorese
- Bei Impetiginisierung: Fucidinsäure
UV-Therapie (Therapiestufe 3)
- UVBnb oder Crème-PUVA-Therapie
Systemische Therapie (Therapiestufe 4)
- Prednison p.o. 40-60 mg 1x tgl. für wenige Tage
- Alitretinoin 30mg tgl.
- Bei Impetiginisierung: Cefuroxim p.o. 500 mg 2x tgl. für wenige Tage
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