Pseudofolliculitis barbae

Letztmals aufdatiert: 2021-07-05

Autor(en): Rahel Bianchi

Dubreuilh, 1922

-          Pili incarnati

-          Pili recurvati

-          Pseudofollikulitis der Barthaare

-          Shave bumps

-          Razor bumps

-          Barber’s itch

-          Folliculitis barbae traumatica

-          Scarring pseudofolliculitis of the beard

-          Chronic sycosis barbae

-          Ingrown hairs

Chronisch entzündliche Erkrankung bei intra- oder transfollikulär einwachsenden gekräuselten Haaren nach Rasur mit konsekutiver Fremdkörperreaktion in Form von Pusteln, Papeln, Knötchen oder Plaques insb. in der Bartregion mit multiplen Komplikationen und Therapieoptionen, wobei eine Rasur-Karenz immer durchgeführt werden muss. 

-          Häufiger sind POC mit gekräuseltem Haar betroffen. Die Prävalenz liegt hier zwischen 45 – 80%.

-          Meist bei Männern mit ausgeprägtem Bartwuchs auftretend.

-          Bei Frauen sind typischerweise die Patientinnen betroffen, welche eine Intimrasur durchführen. 

Chronisch entzündliche Fremdkörperreaktion durch intra- oder transfollikulär in die Haut einwachsende Haarschäfte. Durch Nassrasur oder chemisches/mechanisches Epilieren kommt es besonders bei gekräuseltem Haar zur Anspitzung der starren Haarspitzen, da diese bei der Rasur nicht im 90° Winkel von der Klinge getroffen werden. Die sichelförmige Haarspitze begünstigt nun bei natürlicherweise gebogen wachsendem Haar das Einbohren in die Epidermis. Die Haare können die Haut mehrfach penetrieren und sich aufrollen. Studien weisen auf einen begünstigenden SNP in der 1A Subdomäne der α-Helix des für den Haarfollikel typischen Kreatinins K6hf (K75) und somit eine genetische Komponente hin. 

-          Die Klinik unterscheidet sich je nach inflammatorischer oder postinflammatorischer Phase.

o   Inflammatorische Phase: Perifollikuläre, derbe Pusteln, Papeln, Knötchen oder Plaques auf erythematösem Grund. Die Hauterscheinung ist typischerweise stets follikulär gebunden. Zusätzlich können Abszesse auftrete oder Zeichen einer bakteriellen Superinfektion vorhanden sein.

o   Postinflammatorische Phase: Hyperpigmentierung, Komedonen, narbige Einziehungen der Haut, Keloide oder weitere kosmetisch störende Narbenbildung 

-          Anamnese (Rasurgewohnheiten)

-          Hautstauts 

-          Generell kann die Dermatitis an all den Stellen des Körpers auftreten, wo sich Terminalhaarfollikel befinden.

-          Besonders betroffen ist der Bartbereit, die Wangenpartie und die Submandibularregion. Typischerweise findet sich in der Schnauz-Region trotz regelmässigem Rasieren keine Dermatitis.

-          Weitere klassische Lokalisationen umfassen das Kapillitium, die Leiste, der Mons pubis sowie die Oberschenkel.

-          Je nach patientenspezifischer Prädisposition kommt es zur Bildung von Keloiden oder kosmetisch störender Narbenbildung.

-          Als Komplikationen sind bakterielle Superinfektionen oder postentzündliche Komedonenbildung möglich. 

          Häufig chronisch verlaufendes Krankheitsbild und somit lebenslang möglicher Symptomatik. 

-          Rasur-Karenz zur Prophylaxe des Einwachsens kurzer, gebogener Gesichtshaare.

-          Bereits eingewachsene Haare müssen entfernt werden. Dies kann mittels Freilegung oder sorgfältiger Epilation erfolgen.

-          Alternativ kann der Patient eine sorgfältige Nassrasur durchführen, wobei kein Druck auf das Barthaar ausgeübt werden darf. Ebenfalls sollten Thioglykolat-haltige Haarentfernungs-Produkte verwendet werden. Dadurch wird das Risiko einer entzündlichen Irritation des Haarfollikels deutlich minimiert. Eine solche Behandlung sollte jedoch nur alle 2-3 Tage und nicht ohne vorheriges Trimmen des Bartes erfolgen.

-          Auf eine elektronische Rasur ist vollständig zu verzichten, da dabei die Haare häufig unregelmässig und zu lange geschnitten werden. Flache Haare entgehen einer Rasur, was das Einwachsen fördert.

-          Aufgerollte Haare müssen mit der Pinzette freigelegt werden. Hierbei muss das Risiko von Sekundärinfektionen mittels Applikation von alkoholhaltigen, aseptischen und antibakteriellen Lösungen minimiert werden. Danach kann eine antibiotische Therapie mit Clindamycin oder eine nieder-potente Kortisontherapie je nach Schweregrad evaluiert werden.

-          Der Patient kann bezüglich Hautpflege dreimal täglich unter Aluminium-Acetat-haltigen Topika instruiert werden mit dem Ziel die Hautoberfläche zu erweichen und so bereits eingewachsenen Haaren das Wachstum auf die Hautoberfläche zu ermöglichen. Ebenfalls kann die Sezernierung von Wundflüssigkeit reduziert und Krusten einfach entfernt werden.  

-          Es kann eine topische Therapie mit Eflornithin-haltiger Creme versucht werden (Vaniqa, nicht von Krankenkasse übernommen).

-          Bei mildem bis moderatem Verlauf kann ebenfalls eine topische Therapie mit Tretinoin-haltigen Produkten oder α-Hydroxy-Säuren oder Benzoyl-Peroxid installiert werden. Initial erfolgt die Tretinoin-Therapie alle 2 Tage, wobei der Patient über Nebenwirkungen, wie Stechen, Brennen und Schuppung aufgeklärt werden muss. Im Verlauf kann eine Anpassung des Applikationsintervalls und/oder der Dosierung je nach Ansprechen des Patienten erfolgen.

-          Systemische Antibiose je nach Bedarf und entsprechend dem Antibiogramm von Blutkulturen

-          Gewisse Patienten können für 7-10 Tage von einer systemischen Kortisontherapie mit einer Dosierung von 45-60mg pro Tag profitieren.

-          Als weitere Therapieoption steht den Patienten eine Laser-Haarentfernung zur Reduktion der Haardichte zur Verfügung. Dabei wird die Haut alle 3 bis 4 Wochen behandelt. 

Altmeyers Enzyklopädie, Kapitel Pseudofolliculitis barbae, Version 20.09.2019

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