Gonorrhoe
Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16
Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.
ICD11: 1A7Z
Neisser, 1879
Tripper, Morbus Neisser.
Weltweit vorkommende, sexuell übertragbare Infektionkrankheit (STI bzw. STD), welche durch Neisseria gonorrhoeae ausgelöst wird. Wird als Indikator für die Prävention von HIV und anderen STD gesehen, da sie häufig eine Koinfektion darstellt (Ulzera dienen als Eintrittspforte).
- Weltweit ca. 300-600 Mio
- Inzidenz: 2-5/100000/Jahr
- Sachsen: 10,1/100000/Jahr
- Männer : Frauen = 2:1
- Seit Erfindung des Penicillins in Europa rückläufige Erkrankung, seit 2001 wieder steigend
- Vor allem im 3. und 4. Lebensjahrzehnt auftretend
- Die Übertragung erfolgt, mit Ausnahme der Neugeborenenkonjunktivitis, lediglich sexuell.
- Risikofaktoren
- Hohe Anzahl an Sexualpartner
- Promiskuität
- Nicht Verwendung eines Kondoms
- Analverkehr
- Oralverkehr
- Inkubationszeit: 2-7 Tage
- Von Chlamydien-Infektion oft nicht unterscheidbar.
- Meist zeigt sich eine Urethritis oder eine Zervizitis. Auch die distale Rektumschleimhaut kann betroffen sein. Hämatogene Streuungen sind möglich.
- ♂:
- Seröser oder eitriger Ausschluss
- Brennen bei Blasenentleerung
- Die Urethra-Öffnung kann gerötet sein.
- Balanitis, manchmal Paraphimose
- Schmerzen am Damm und im Unterbauch
- ⧬
- In 80% asymptomatisch
- Seröser oder eitriger Ausfluss
- Brennen und Schmerzen bei der Harnentleerung
- Lokale Rötung und Schwellung, Erosionen und Ulzerationen
- Peritoneale Schmerzen (pelvic inflammatory disease)
- Blutungsstörung
- Schwellung der Adnexe
-
Extragenitale Manifestation
- Pharyngitis (fast alle Fälle von pharyngealer Gonorrhoe sind asymptomatisch)
- Proktitis (bei beiden Geschlechtern häufig asymptomatisch)
- Sepsis
- ↓ AZ, Fieberschübe
- Urethritis: Bei allen Patienten mit Urethritis sollten die unter Tabelle 1 aufgeführten diagnostischen Schritte unternommen werden. Bei Beschwerdepersistenz erfolgen die Schritte in Tabelle 2.
- Pharyngeale oder anale Beschwerden: Bei Pharyngitis und analen Beschwerden siehe Tabelle 3.
| Tabelle 1. Diagnostische Schritte bei allen Urethritis Patienten | Probengewinnung | Verarbeitung | Zum Nachweis von |
|---|---|---|---|
|
Schritt 1) |
Männer: Abstrich aus der Urethra mit dem eSwab mit dünnem Tupfer (Abbildung 1):
Frauen: Falls Kultur erwünscht Abstrich von Endozervix in Gynäkologie veranlassen. |
Schritt 1a: Abstrich auf Objektträger tupfen/streichen für Gram Färbung |
Gram-negative Diplokokken (Neisseria gonorrhoeae), Andere Bakterien, Leukozyten |
|
Schritt 1b): Abstrich anschliessend sofort in das Medium geben |
Neisseria gonorrhoeae Kultur (inkl. Resistenz) |
||
| Schritt 2) |
Männer: Erststrahlurin (mind. 2 Std. nach letzter Miktion) alternativ, wenn Miktion nicht möglich: bei Urethralabstrich von Schritt 1 zusätzlich PCR verlangen Frauen: Vaginalabstrich |
Pflege |
Neisseria gonorrhoeae - PCR, Chlamydia trachomatis - PCR |
| Schritt 3) | Blutentnahme |
Pflege |
Luesserologie, HIV Test |
|
Probengewinnung | Verarbeitung | Zum Nachweis von | |
| 1) | Urethralabstrich |
Abstrich in das Medium geben |
Mycoplasma genitalium - PCR, Trichomonas vaginalis - PCR |
Genito-anal, pharyngeal, seltener andere Lokalisationen.
- Männer
- Urethritis gonorrhoica posterior
- Prostatitis
- Epididymitis
- Spermatozystis
- Vesiculitis
- Funikulitis
- Cowperitis
- Cavernitis
- Analer Befall
- Perihepatitis gonorrhoica
- Endokarditis
- Gonarthritis
- Meningitis
- Gonokokkensepsis
- Frauen
- Salpingitis
- Endometritis gonorrhoica
- Perioophoritis
- Oophoritis
- Adnexitis gonorrhoica
- Peritonitis gonorrhoica
- Rektalgonorrhoe
- Vulvovaginitis gonorrhoica adultorum
- Gonokokkensepsis
- Perihepatitis gonorrhoica
- Endokarditis
- Gonarthritis
- Meningitis
Barriere-Massnahmen (Achtung Oralverkehr).
Die Therapieempfehlung richtet sich prinzipiell nach dem Erregernachweis.
Die Therapie bei der Erstvisite auf der Poliklinik richtet sich nach dem Ergebnis des Direktpräparates (Tabelle 1.)
| Tabelle 1. Therapieempfehlung nach Ergebnis des Direktpräparates Testergebnis | Interpretation | Procedere / Therapie |
| Direktpräparat unauffällig | Unklare Urethritis |
Keine Therapie, Nur geschützter GV, Kontrolle in 1 Woche |
| Im Direktpräparat gramnegative Diplokokken (v.a. intrazellulär) und Leukozyten (> 5/Gesichtsfeld) | Gonorrhoe |
Ceftriaxon i.m. 1.0g Einmaldosis |
| Im Direktpräparat Leukozyten (> 5/Gesichtsfeld) und evtl. Bakterien | Nicht-gonorrhoische Urethritis |
Doxycyclin p.o. 100 mg 2x/d für 7 Tage Alternativ: Second line: Azithromycin 500mg „single dose“, danach 250mg 1xtgl. für 4 Tage (IUSTI 2016) |
Weitere Empfehlungen
- Patienten mit dokumentierter Urethritis sollten auf andere STI getestet werden, inklusive Syphilis und HIV.
- Klinische Nachkontrolle nach 1 Woche (z.B. anlässlich Besprechung der Testresultate)
- Mikrobiologische Nachkontrollen indiziert bei Therapie mit second-line Therapie oder persistierender Urethritis nach erregergerechter Therapie.
- Verbot von ungeschütztem Geschlechtsverkehr für 7 Tage nach einer Einzeldosistherapie oder bis zum Ab-schluss einer 7-Tagestherapie.
- Sexualpartner von Patienten mit Gonorrhoe der letzten 60 Tage sollten wegen der hohen Ansteckungsrate mittels PCR und Kultur auf N. gonorrhoe getestet und gleichentags behandelt werden, also noch bevor das Testresultat vorliegt.
- Thayer JD, Jr JEM. A Selective Medium for the Cultivation of N. gonorrhoeae and N. meningitidis. Public Health Reports (1896-1970) 1964;79:49.
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- Palladino S, Pearman JW, Kay ID, et al. Diagnosis of Chlamydia trachomatis and Neisseria gonorrhoeae genitourinary infections in males by the Amplicor PCR assay of urine. Diagnostic Microbiology and Infectious Disease 1999;33:141-6.
- Whiley DM, Garland SM, Harnett G, et al. Exploring 'best practice' for nucleic acid detection of Neisseria gonorrhoeae. Sexual Health 2008;5:17.
- Lebwohl, Mark. Treatment of Skin Disease: Comprehensive Therapeutic Strategies. Elsevier, 2014. Print.
- British Association for Sexual Health and HIV national guideline for the management of infection with Neisseria gonorrhoeae (2019)
- Horner P. et al. 2016 European guideline on the management of non-gonococcal urethritis. International Journal of STD & AIDS 2016; 27: 928–937
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