Scharlach

Letztmals aufdatiert: 2020-11-23

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Sydenham, 1676.

Scarlet fever, Scarlatina, Streptococcal sore throat with rash, Canker rash.

Meldepflichtige, akute Infektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A, welche zu Angina, Allgemeinsymptomatik und makulösem Exanthem führt.

Der Altersgipfel liegt zwischen 3.-15. Lebensjahr.

  • Ursächlich für die Erkrankung sind β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (insgesamt werden über 60 Serotypen gezählt). Meist tritt Scharlach im Zusammenhang mit Angina auf. Jedoch können auch andere Erkankungen mit Gruppe-A-Streptokokken ursächlich sein
  • Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, Kontakt oder Nahrungsmittel und wird durch kaltes Wetter begünstigt. Die Eintrittspforten umfassen Nasen-Rachen-Raum und Wunden
  • Die Streptokokken bilden Erythrotoxin (A, B, C), welches Superantigenwirkung hat und proinflammatorische Zytokine stimuliert
  • Inkubationszeit: 2-5 Tage
  • Reduzierter Allgemeinzustand mit febriler Temperatur, Kopf- und Halsschmerzen, Emesis und gerötetem Rachenring (Pharyngotonsillitis) mit lokoregionaler Lymphadenopathie
  • Ein Exanthem mit stecknadelgroßen, follikulär gebundenen Papeln und kleinen Bläschen (Miliaria scarlatinosa) kann, ggf. zeitverzögert, auftreten. In manchen Fällen bleibt eine kutane Manifestation jedoch aus. Zumeist initial inguinal, am Schenkeldreieck oder den Armbeugen. In den meisten Fällen kommt es zu einer Generalisation (inklusive der Hand- und Fußflächen), gewöhnlich mit Aussparung des Gesichts
  • An Hand- und Fußrücken sind punktförmige, erythematöse Flecken zu sehen. Bei starkem Eruptionsdruck sind die beiden Wangen gerötet. Facies scarlatinosa wird die charakteristische periorale, hautbefundfreie Zone genannt.
  • Typisch ist die „Himbeerzunge“. Im Bereich des Palatinum molle tritt ein makulöses Enanthem auf
  • In manchen Fällen ist ein Subikterus zu beobachten. Die Kapillaren zeigen während der Erkrankung eine erhöhte Zerreisbarkeit (s. Rumpel-Leede-Test)
  • Klinik
  • BB (Leukozytose, im Verlauf Eosinophilie)
  • BSG, CRP erhöht
  • Bakt.-Abstrich des Rachens zum Erregernachweis
  • ASL-Titer (Erhöhung nach ca. 1-2 Wochen nach Infektion)
  • Typisch ist auch ein nach 20 Sekunden auftretender weißer Dermographismus
  • Früher wurde der Dick-Test durchgeführt, bei dem 0,1 ml Dick-Toxin (erythrogenem Streptokokken-Toxin) i.c. injiziert wurde. Sofern sich nach bis zu 20 Stunden keine Hautrötung >1 cm zeigt, ist vom Bestehen von Antikörper gegen erythrogene Toxine auszugehen. Der Patient ist in diesem Falle gegen Scharlach immun.
  • Das Auslöschphänomen tritt bis zu 20 Stunden nach intrakutaner Injektion von 0,2 ml Scharlachrekonvaleszenten-Serum oder 0,3 ml Antistreptokokkenserum als Blässe auf. Sofern eine Aussparung des Exanthems sichtbar ist, kann von Scharlach ausgegangen werden. Ist der Test negativ, muss man an andere Auslöser des Exanthems denken.
  • Beim Rumpel-Leede-Test wird eine Blutdruckmanschette auf 50 mmHg aufgepumpt und für mindestens 5 Minuten belassen. Sofern sich mehr als 5 Petechien im Umkreis von 5 cm von der Manschette finden, ist diese als positiv zu werten. Bei Scharlach-Erkrankten ist dieser Test häufig positiv.
  • Hyperpyrexie
  • Bewusstseinsstörungen
  • Krämpfe
  • Purpura
  • Sepsis
  • Otitis media
  • Sinusitis
  • Myokarditis
  • Akute Glomerulonephritis
  • Polyarthritis
  • Pneumonie
  • Perikarditis
  • Meningitis
  • Hepatitis
  • Glomerulonephritis
  • Rheumatisches Fieber
  • PANDAS-Syndrom
  • Nekrotisierende Faszitis
  • Letalität: < 0,5%
  • Nach durchgemachter Scharlach Erkrankung besteht lebenslang Immunität. Jedoch gibt es 3 unterschiedliche Varianten des Erythrotoxin, sodass die Immunität nach Scharlach-Erkrankung nur gegen eine Variante besteht
  • Kindergarten und Schulverbot! Ansteckungsgefahr (unbehandelt) 1-3 Wo im Kindergarten
  • Meldepflicht beachten!
  • Bei einer Körpertemperatur von > 38°C Abnahme von Blutkulturen
  • Frühzeitige Therapie ist wichtig!
  • PenicillinV p.o. 3x tgl. 0,4-1,2 Mio. IE  (Kleinkinder: 0,2-0,6 Mio. IE/Tag) für ca. 10 Tage
  • Alternativ: PenicillinG i.v. 4 Mio. IE 6x tgl.
  • Alternativ: Erythromycin p.o. 500 mg 3x tgl., Maximaldosis: 4 g/d (Erwachsener), 40-100 mg/kg KG/Tag (5-12 J.)
  • Alternativ: Clindamycin p.o. 600 mg 3x tgl.
  • Alternativ: Cefuroxim p.o. 250-500 mg 2x tgl. (> 12 J.), 125 mg 2x tgl. (5-12 J. und ≥ 15 kg) (CAVE: Kreuzallergie)
  • Eine Mitbehandlung anderer im Haushalt lebender Kinder ist empfohlen!

Sofern nach der Antibiotika-Behandlung weiter Gruppe-A-Streptokokken im Rachen bestehen (bei ca. 10-15%), ist keine erneute Therapie indiziert. 

  1. Schlievert, P.M., Staphylococcal scarlet fever: role of pyrogenic exotoxins. Infect Immun, 1981. 31(2): p. 732-6.
  2. Silva-Costa, C., et al., Scarlet fever is caused by a limited number of Streptococcus pyogenes lineages and is associated with the exotoxin genes ssa, speA and speC. Pediatr Infect Dis J, 2014. 33(3): p. 306-10.
  3. Wang, L.Y. and T.H. Young, Hepatitis, gallbladder hydrops, splenomegaly, and ascites in a child with scarlet fever. Pediatr Emerg Care, 2012. 28(11): p. 1215-7.
  4. Paul, S.P. and P.A. Heaton, At a glance: scarlet fever in children. J Fam Health Care, 2014. 24(3): p. 25-7.
  5. Wessels, M.R., Pharyngitis and Scarlet Fever, in Streptococcus pyogenes: Basic Biology to Clinical Manifestations, J.J. Ferretti, D.L. Stevens, and V.A. Fischetti, Editors. 2016: Oklahoma City (OK).
  6. [Scarlet fever and other infections from Streptococcus pyogenes]. Med Monatsschr Pharm, 2001. 24(3): p. 83-6.