Alopecia areata

Zuletzt aktualisiert: 2025-08-21

Autor(en): Anzengruber F., Navarini A.

ICD11: ED70.2Z

Alopecia areata (AA) ist eine häufige autoimmune, nicht vernarbende Haarausfallerkrankung, die durch plötzlichen, lückenhaften Haarausfall gekennzeichnet ist, der oft reversibel ist. Typisch sind kreisrunde kahle Stellen, die auf einen immunvermittelten Angriff auf die Haarfollikel zurückzuführen sind. Die Follikel bleiben jedoch intakt, so dass sie möglicherweise wieder nachwachsen. Sie kann die Haare auf der Kopfhaut oder jede andere haartragende Stelle betreffen.

AA tritt bei allen Geschlechtern und in allen Altersgruppen auf, wobei die Lebenszeitinzidenz bei etwa 2 % liegt. Die Prävalenz scheint zu steigen, wohl aber nur aufgrund des gestiegenen Bewusstseins und besserer Diagnoseverfahren. Typischerweise tritt die Krankheit zwischen 15 und 30 Jahren auf, und die Prävalenz ist bei Kindern etwas höher als bei Erwachsenen.

  • Nach Ausmass: Patchy AA, Alopecia totalis (Haarausfall auf der Kopfhaut), Alopecia universalis (Haarausfall am ganzen Körper).
  • Schweregrad der Alopezie (SALT): S0=kein Verlust, S1=≤25%, S2=26-50%, S3=51-75%, S4=76-99%, S5=100%.
  • Muster: Fleckig, Ophiasis (Peripherie der Kopfhaut), Sisaipho (zentrale Kopfhaut), diffus.
     

AA ist eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung, die auf Haarfollikel im Anagenstadium abzielt. Der Zusammenbruch des Immunprivilegs führt zu einem Angriff auf die Follikel durch CD4+/CD8+ T-Zellen (NKG2D+), der durch IFN-γ, IL-17 Zytokine vermittelt wird. Melanozyten-assoziierte Autoantigene können Reaktionen auslösen. Genetische Assoziationen: TRAF1/C5, HLA-Klasse II, PTPN22, CTLA4-Gene.


Begleitende Erkrankungen: Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (13-20%), Vitiligo, Diabetes mellitus Typ 1, atopische Dermatitis, Asthma. Umweltbedingte Auslöser: Stress, Infektionen (EBV, Hepatitis, Influenza), Impfungen (COVID-19).
 

Markenzeichen: Plötzlicher, fleckiger, nicht vernarbender Haarausfall. Ausrufezeichen-Haare (proximal dünner werdende Haarschäfte) und beim Abbrechen schwarze Punkte (black dots), die häufig auf der Dermatoskopie zu sehen sind. Auch gelbe Punkte (yellow dots), ausser bei langjährigem AA und Talgatrophie. Positiver Haarausreisstest bei aktivem Ausreissen. Spezielle Muster: Ophiasis, Sisaipho, diffus, incognita. Nagelveränderungen: Lochfrass Trachyonychie, Beau'sche Linien. Befall der Körperbehaarung: Bart, Augenbrauen, Wimpern.

In erster Linie klinisch, unterstützt durch Dermatoskopie: Ausrufezeichenhaare, schwarze Punkte, gelbe Punkte. Eine Biopsie der Kopfhaut ist selten erforderlich ("Bienenschwarm"-Infiltrat, follikuläres Schweizer Käse-Muster). Labor: Screening auf Schilddrüsenfehlfunktion, Vitamin-D-Spiegel wie angezeigt.

Hauptsächlich Kopfhaut (90%); auch Bart, Augenbrauen, Wimpern, Körperhaar.

Registrieren Sie die Schnelligkeit des Auftretens, die Auslöser (Stress, Krankheit, Impfung), die familiäre und persönliche Autoimmun-/Atopiegeschichte.

Charakteristisches lymphozytäres Infiltrat ("Bienenschwarm"), Pigmentinkontinenz, follikuläres Schweizer Käse-Muster.

Hauptsächlich psychosoziale Belastung, verminderte Lebensqualität; sekundäres Sonnenbrandrisiko, Augenreizung durch Wimpernverlust.

Keine bewährte Prophylaxe; Stressbewältigung empfohlen.

Unvorhersehbar; spontanes Nachwachsen häufig (30-50% innerhalb von 6-12 Monaten). Schlechtere Prognose: grossflächige Beteiligung, junges Auftreten, Nagelveränderungen, Autoimmunassoziationen. Hohe Rückfallquote.

  1. King B et al. Two Phase 3 Trials of Baricitinib for Alopecia Areata (BRAVE-AA1 and BRAVE-AA2). New England Journal of Medicine. 2022;386(18):1687–1699.
  2. FDA. FDA Approves Pfizer’s Litfulo (Ritlecitinib) for Adults and Adolescents With Severe Alopecia Areata. FDA Press release; June 23, 2023.
  3. FDA. U.S. FDA Approves Leqselvi (Deuruxolitinib), an Oral JAK Inhibitor for the Treatment of Severe Alopecia Areata. FDA Press release; July 25, 2024.
  4. Yahya A et al. JAK inhibitors for alopecia areata: a systematic review and meta-analysis. Annals of Medicine and Surgery. 2022.
  5. Sibbald C et al. Alopecia areata: An updated review for 2023. Skin Therapy Letter. 2023.
  6. Vinod M et al. Efficacy and safety of ritlecitinib in adolescents with alopecia areata through 48 weeks. Journal of the American Academy of Dermatology. 2023.
  7. Mackay-Wiggan J et al. Long-term follow-up of tofacitinib treatment in alopecia areata. JCI Insight. 2023.
  8. Lee HH et al. Epidemiology of alopecia areata: lifetime prevalence and incidence update. Journal of the American Academy of Dermatology. 2023.
  9. Gilhar A et al. Melanocyte-associated autoantigens in Alopecia Areata pathogenesis. Journal of Investigative Dermatology. 2023.
  10. Petukhova L et al. Genetic markers of Alopecia Areata: PTPN22, CTLA4 and others. Nature. 2023.