Chronische Prurigo (CPG)
Zuletzt aktualisiert: 2025-11-19
Autor(en): Navarini A.A.
ICD11: -
Zuletzt aktualisiert: 2025-11-19
Autor(en): Navarini A.A.
ICD11: -
Prurigo simplex (akut/subakut), Prurigo nodularis (Hyde), papulöser/nodulärer/plaqueförmiger chronischer Prurigo, Lichen urticatus, Strophulus (infantum/adultorum), aktinischer Prurigo, Prurigo gestationis.
Chronisch rezidivierende, polyetiologische Juckreizerkrankung mit imaginären (!) Seropapeln als Erstsymptom. Der Juck-Kratz-Zyklus des Patienten führt zu Reibungsakanthomen, exkoriierten Akanthomen sowie papulösen, knotigen oder plaqueförmigen Läsionen. Das IFSI fasst alle Prurigo-Subtypen als Phänotypen der chronischen Prurigo (CPG) zusammen.
Frauen sind etwa gleich häufig betroffen wie Männer. Spitzenalter > 60 Jahre. Die Prävalenz liegt bei etwa 5 von 10'000, wird aber vermutlich unterschätzt. Kinder zeigen häufig eine akute papulöse Urtikaria («Strophulus infantum») mit saisonaler Häufung (Sommer/Herbst). Komorbiditäten: atopische Diathese, interne und neurologische Komorbiditäten.
CPG nach IFSI in Phänotypen:
Neuroimmuner Prozess mit Th2-Dominanz (einschließlich IL-4/IL-13) und IL-31-Achse, periphere und zentrale neuronale Sensibilisierung, reduzierte intraepidermale Nervenfaserdichte. TRP-Ionenkanäle: TRPV1/TRPA1 fördern Pruritus und Neuroinflammation; TRPM8 (Menthol) vermittelt antipruritische Kältesignale. Auslöser/Verstärker: hormonell, GI-Dysfunktion, Leber/Niere, Infektionen, atopische/allergische Diathese, Nervenwurzelreizung; psychosoziale Faktoren halten den Zyklus aufrecht.
Starker punktförmiger Pruritus, Seropapeln, urtikarielle Papeln/Papulovesikel, schnelle Exkoriation mit Krustenbildung; beim nodulären Phänotyp raue hyperkeratotische Knötchen. Symmetrische Verteilung an leicht zugänglichen Stellen, häufig Kratzspuren; Schlafstörungen häufig. Bei aktinischer Prurigo: lichtbestrahlte Bereiche, Cheilitis.
Juckreiz seit mindestens 6 Wochen, Kratzen durch den Patienten, was zu pruriginösen Läsionen und der oben genannten typischen Morphologie führt.
Anamnese hinsichtlich Auslöser (UV-Strahlung, Insekten, Medikamente, systemische Erkrankungen). Scores: PP NRS 0–10 (Spitzenwert des Pruritus in den letzten 24 Stunden; klinisch relevante Besserung meist ≥ 4 Punkte), DLQI/ItchyQoL; Schlafqualität beurteilen. Labor (BB, BSR/CRP, Leber/Niere, ggf. Harnsäure) und gezieltes Screening (Infektionen, metabolisch/endokrin, Malignität). Biopsie bei Knötchen/atypischem Verlauf. Photoprovokation bei Verdacht auf aktinische Prurigo; Skabies-Diagnose bei entsprechendem klinischen Bild.
Dehnungsstreifen an Armen/Beinen, oberem Rücken, Oberschenkelaußenseiten, Brustvorderseite; selten im Gesicht (außer bei aktinischer Prurigo). Interskapuläre „Schmetterlingszone” oft verschont.
Punktförmiger, manchmal brennender Juckreiz mit sofortiger Linderung beim Kratzen bis zum Bluten. Chronisch-rezidivierender Verlauf, Verschlimmerung nachts, Schlafstörungen. Saisonale/UV-Auslöser oder Insektenkontakt möglich.
Papulös: leichtes oberflächliches perivaskuläres lymphozytisches Infiltrat, gelegentlich Eosinophile; Ulzeration/Krustenbildung, dermale Fibrose bei Exkoriation.
Nodulär: ausgeprägte Akanthose, Orthohyperkeratose (fokale Parakeratose), Pautrier-Neurome, vertikal ausgerichtete kollagene Fibrose.
Aktinisch: Akanthose/Spongiose, perivaskuläre lymphohistiozytäre (teilweise eosinophile) Infiltrate.
Impetiginisierung, Narbenbildung, postinflammatorische Hyper-/Hypopigmentierung, Schlafverlust/Beeinträchtigung der Lebensqualität; präbullöses Pemphigoid nicht übersehen; Pseudopterygium bei aktinischer Prurigo.
Chronisch-rezidivierend; idiopathische Fälle sind selten „heilbar“, aber mit multimodaler Behandlung gut kontrollierbar. Aktinische Prurigo bessert sich häufig während der Pubertät.
Reduzierung der Auslöser; konsequente Barrierepflege; zweimal wöchentliches Kürzen der Nägel; Alternativen zum Kratzen/Gewohnheitsumkehr; Schlafhygiene. UV-Schutz (einschließlich UVA) bei aktinischer Prurigo.
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Grundsätze: Auslösermanagement, topische Juckreizkontrolle, läsionsspezifische Verfahren, Phototherapie und bei Bedarf systemische Neuro-/Immunmodulation.
Topisch:
Läsionsgerichtet:
Phototherapie/physikalisch:
Systemisch:
Praxisalgorithmus (kurz): 1) Grundlagen (Emollient + Menthol/Polidocanol, Kratzkontrolle) → 2) Topische Steroide/TCI, Capsaicin bei lokalisierten Läsionen → 3) Intraläsionale Steroide/Kryotherapie → 4) Phototherapie → 5) Systemische Eskalation (Antihistaminikum → Neuromodulator → MTX/Ciclosporin → Dupilumab/Nemolizumab); 6) Fokaler neuropathischer Pruritus: 8 % Capsaicin-Pflaster in Betracht ziehen.
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