Periorale Dermatitis

Letztmals aufdatiert: 2020-11-19

Autor(en): Anzengruber, Navarini

  • Frumess u. Lewis, 1957
  • Mihan und Ayres, 1964

Dermatitis perioralis, Rosazea-artige Dermatitis, Stewardessen-Krankheit, Periorificial dermatitis.

Reaktive Erkrankung des Gesichts, Formenkreis der Rosazea. Juckende bis schmerzende Hautveränderungen im Gesicht. Nicht infektiös.

  • Inzidenz: ca. 1%/ J.
  • Altersgipfel: 20-40 J.
  • Frauen >> Männer.
  • Berufe mit Schminkzwang häufiger betroffen («Stewardessen-Krankheit»)

Keine.

  • Ursächlich ist ein übermässiger Gebrauch von Hautpflegeprodukten, Kosmetika, Sonnencrème
  • Prädisponierte Individuen sind u.a. Atopiker
  • Teufelskreis bei Anwendung von topischen Glukokortikoiden, zu hoher Wirkstoffklasse oder zu lange
  • UV-Licht (ist kein alleiniger Auslöser, kann jedoch zu einer Verschlechterung führen)

Die Krankheit steht der Rosazea nahe, ist von der Verteilung aber unterschiedlich. Die Hautveränderungen finden sich immer um ein Orificium herum: Perioral, perinasal, und/oder periorbital zeigen sich erythematöse, oftmals gruppierte, pruriginöse bis brennende, konfluierende, oftmals leicht schuppende Papeln, Papulovesikel und Pusteln, teils auch dünne Plaques.

  • Klinisches Bild
  • Keine Laboruntersuchungen notwendig
  • Im Zweifel Probeexzision
  • Perioral, periokulär, perinasal
  • Regelmässige Aussparung von ca. 1-2 mm der direkt an das Orificium angrenzenden Haut, denn in dieser Zone finden sich keine Vellushaarfollikel, die für die follikulär gebundene Krankheit aber notwendig sind

Follikulär zentrierte Pathologie. Epidermis spongiotisch, lymphozytäre perivaskuläre Infiltrate um die Follikelostien. Keine Demodex-Milben, Teleangiektasien, aktinische Elastose wie bei der Rosazea.

Möglichst Karenz von Gesichtsspflegemitteln.

  • Nur wenn Patienten den Auslöser einsehen, tritt eine Besserung ein
  • Häufig langwierig
  • Schlechte Adhärenz an Kosmetika-Karenz führt zum Rezidiv

Allgemeine Massnahmen

  • Nulltherapie!
  • Keine Kosmetika, keine Parfums, keine Cremes oder Salben
  • Gerbstoffe mehrmals täglich gegen die Entzündung in Form von Schwarztee-Umschlägen (tatsächlich evidenzbasiert. Schwarztee, nicht Earl Grey mit Bergamotteöl, 10min ziehen lassen, dann Waschtuch lauwarm auf Gesicht legen für 10min).

Reinigung:

  • Milde Syndets

Topische Therapie:

  • Pimecrolimus Creme 1% 2x tgl. für 2 Wochen
  • Azelainsäure Gel 1-2x tgl. (kann reizen)
  • Metronidazol Gel. 2x tgl.
  • Ivermectin Creme 1x tgl. (bisher off-label) 
     

Make up:

  • Nur falls unbedingt für Patienten notwendig
  • Mineralische Abdeckpuder ohne Öle
     

Topische Steroide:

  • Nur bei Entwöhnungsphase nach hochpotenten Steroiden
  • Hydrocortison 0,5% 1x tgl. für einige Tage

Systemische Antibiotika:

  • Doxyzyklin p.o. 100 mg 2x tgl. für 14-21 Tage
  • Minozyklin p.o. 50 mg 2x tgl.

Systemische Retinoide:

  • Isotretinoin p.o. 10.30 mg 1x tgl.
  1. Frieden IJ. Granulomatous Perioral Dermatitis in Children. Arch Dermatol 1989;125:369.
  2. Hafeez ZH. Perioral dermatitis: an update. International Journal of Dermatology 2003;42:514-7.
  3. Takiwaki H, Tsuda H, Arase S, Takeichi H. Differences between intrafollicular microorganism profiles in perioral and seborrhoeic dermatitis. Clin Exp Dermatol 2003;28:531-4.
  4. Dirschka T, Tronnier H, Folster-Holst R. Epithelial barrier function and atopic diathesis in rosacea and perioral dermatitis. Br J Dermatol 2004;150:1136-41.
  5. Wilkinson DS, Kirton V, Wilkinson JD. Perioral dermatitis: a 12-year review. British Journal of Dermatology 2006;101:245-57.
  6. Weston WL, Morelli JG. IDENTICAL TWINS WITH PERIORAL DERMATITIS. Pediatric Dermatology 2009;15:144-.