Pityriasis versicolor

Zuletzt aktualisiert: 2022-11-16

Autor(en): Rahel Bianchi

ICD11: 1F2D.0

Eichstedt 1846.

Pityriasis versicolor flava, Pityriasis versicolor alba, Pityriasis versicolor rubra, Tinea versicolor (Begriff nicht mehr gebräuchlich)

Häufige, benigne, nicht-entzündliche und nicht-infektiöse oberflächliche Mykose, hervorgerufen durch lipophile Hefen der Gattung Malassezia mit vermehrtem Auftreten während warmen Jahreszeiten, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Lokalisation am Stamm. Charakteristisch ist die namensgebende Farbänderung nach UV-Exposition. 

  • Häufige Mykose der Haut 
  • In Europa beträgt die Prävalenz bis zu 4%
  • In Ländern um den Äquator beträgt die Prävalenz zum Teil bis zu 40%
  • Meist sind jugendliche und junge Erwachsene betroffen 

  • Die Errankung wird durch lipophile Hefen der Gattung Malassezia hervorgerufen, welche besonders in feuchtwarmem Milieu wachsen und Teil der regelrechten Hautfolra sind. Bei Ausbruch der Pityriasis versicolor kommt es zur ansonsten absenten Myzelbildung. 
  • Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt. 
  • 14 Malassezia-Arten sind bekannt 
    • Malassezia globosa v.a. in Indien (90% der Erkrankungen, prominenteste Form) 
    • Malassezia fur fur v.a. in Europa
    • Malassezia sympodialis v.a. in Argentinien, auch in Indien vorkommend  
    • Malassezia pachydermatis 
  • Zu den Prädispositionsfaktoren zählen:
    Hyperhidrosis oleosa, feucht-warmes Makro-Klima, Seborrhoe, behinderte Hautabdunstung, Stress, Adipositias, Immunsuppression, Anwendung von fettigen Pflegeprodukten,
  • Folgende Faktoren werden als mögliche Auslöser diskutiert: Einnahme von Glukokortikosteroiden oder Kontrazeptiva, Gravität, Genetik und atopische Dermatitis

  • Die Klinik ist variabel
  • Kleinherdige bis grossflächig konfluierende, lamettaartige, runde oder ovale, gelbliche bis bräunliche, teils auch weiße Makulä oder dünne Plaques mit diskreter Schuppung 
  • Charakteristisch ist die Farbänderung nach UV-Exposition (Im Sommer präsentieren sich hellere, im Winter dunklere Effluoreszenzen als die restliche Haut)
  • Kein Prurritus, ein Spannungsgefühl ist jedoch möglich 
  • Hobelspanphänomen: pityriasiforme Schuppung beim Bestreichen der Effloreszenz mit einem Holzspatel
  • Bei immunsupprimierten Patienten kann eine verstärkte Ausprägung oder eine follikulär gebundene Verlaufsform einhergehend mit Follikulitis auftreten
  • Sonderformen
    • Pityriasis versicolor chromians: ausgeprägt hyperpigmentierte Form
    • Pityriasis versicolor punctata: follikuläre Form
    • Pityriasis versicolor flava: durch Malassezia tropica ausgelöst
    • Pityriasis versicolor nigra: Läsionen sind teils schwärzlich mit follikulär gebundenen Knötchen. Eine Regression ist unter UV-Exposition möglich. 
    • Hyperkeratotische Malassezia: tritt vor allem im Gesicht und nuchal auf

  • Anamnese inkl. Reiseanamnese 
  • Klinik (Blickdiagnose)
  • Pilznachweis mittels nativem Klebestreifenpräparat wobei hier zum einen die Möglichkeit einer Färbung nach Parker mittels Kalilauge und Tinte (1:1), wie auch die direkte mikroskopische Untersuchung besteht. Es zeigen sich sog. "Spaghetti with Meatballs", welche den Hypthen und Sporenhaufen des Hefepilzes entsprechen 
  • Bei V.a. Malassezia furfur eignet sich aufgrund der bei dieser Gattung mit Tryptophan gebildeten Pigmente und Fluorchrome zusätzlich Wood-Licht als Nachweismethode 
  • Eine Kultur ist nicht sinnvoll 

  • Vorzugsweise tagdrüsenreiche Areale des Stamms
  • Oberschenkelinnnenseite
  • Oberarminnenseite
  • Bei Kindern ist häufig das Gesicht betroffen 

PAS-Färbung ist für den Nachweis essentiell! Intrakorneal finden sich Sporen und Hyphen.

  • 2-5% Salizylsäure-Hautspiritus (R218)
  • Iraconazol 400mg in zwei Dosen à 200mg 1 Mal Monatlich über 6 Monate 

Es handelt sich um ein chronisches Leiden mit zu jedem Zeitpunkt möglicher Remission oder Exazerbation. Rezidive sind häufig. 

  • Aufklärung des Patienten 
  • Econazol-Crème (z.B.: Pevaryl Creme 1 %): 1-2x tgl. auf betroffene Hautstellen applizieren. Insgesamt sollte die Therapie 3 Tage lang durchgeführt werden.
  • Alternativ: Ciclopirox-Creme oder Lsg.: 2x tgl. auf betroffene Hautstellen applizieren. Insgesamt sollte die Therapie 3 Tage lang durchgeführt werden.
  • Alternativ: 2,5% Salensulfid
  • Alternativ: 20% Propylenglycol
  • Gleichzeitig sollte eine antimykotische Mitbehandlung des Kapilitiums erfolgen
    • Ketoconazol-haltiges Shampoo: 3 Anwendungen, wobei eine Einwirkzeit von 5-10 Minuten vor dem Ausspühlen beachtet werden sollte
    • Alternativ Ciclopirox-haltiges Shampoo: 3 Anwendungen, wobei eine Einwirkzeit von 5-10 Minuten vor dem Ausspühlen beachtet werden sollte einwirken lassen. 
  • Schwangerschaft: Lediglich Nystatin ist zugelassen

 

  • Bei kontiniuerlichen Rezidiven unter externen Therapeutika kann eine Systemtherapie diskutiert werden:
    • Itraconazol p.o. 200 mg 1x tgl. für 5-7 Tage oder 400mg 1x monatlich
    • Alternativ: Fluconazol p.o. 50 mg 1x tgl. für 14 Tage
    • Alternativ: Ketoconazol p.o. 200mg 1x tgl. für 10 Tage oder 400mg 1x monatlich 
    • Systemisches Terbinafin zeigt keine Wirkung 

 

Therapie nach Lebwohl

Mittel der 1. Wahl Evidenzlevel nach Lebwohl
Ketoconazol A
Bifonazol A
Terbinafin A
Clotrimazol A
Econazol A
Oxiconazol A
Butenafin A
Ciclopirox A
Fluconazol Shampoo A
Selenium sulfide 2,5% B
Tioconazol B
Zink-Pyrithion B

 

Mittel der 2. Wahl Evidenzlevel nach Lebwohl
Itraconazol A
Ketoconazol A
Fluconazol A
Oral prophylaxis  
Itraconazol A

 

  1. Crespo Erchiga, V., et al., Malassezia globosa as the causative agent of pityriasis versicolor. British Journal of Dermatology, 2000. 143(4): p. 799-803.
  2. Crespo-Erchiga, V. and V.D. Florencio, Malassezia yeasts and pityriasis versicolor. Current Opinion in Infectious Diseases, 2006. 19(2): p. 139-147.
  3. Faergemann, J., Management of Seborrheic Dermatitis and Pityriasis Versicolor. American Journal of Clinical Dermatology, 2000. 1(2): p. 75-80.
  4. Gaitanis, G., et al., Distribution of Malassezia species in pityriasis versicolor and seborrhoeic dermatitis in Greece. Typing of the major pityriasis versicolor isolate M. globosa. Br J Dermatol, 2006. 154(5): p. 854-859.
  5. Gupta, A.K., et al., Pityriasis versicolor. Dermatologic Clinics, 2003. 21(3): p. 413-429.
  6. Gupta, A.K., R. Bluhm, and R. Summerbell, Pityriasis versicolor. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2002. 16(1): p. 19-33.
  7. Hu, S.W. and M. Bigby, Pityriasis Versicolor. Arch Dermatol, 2010. 146(10).
  8. Wagner, G., C. Diaz, and W. Weyers, Pityriasis versicolor unter dem klinischen Bild einer Papillomatosis confluens et reticularis. Aktuelle Dermatologie, 2004. 30(4): p. 114-119.
  9. AMBOSS Kapitel Pityriasis versicolor
  10. Altmeyer Enzyklopädie Kapitel Pityriasis versicolor 
  11. Braun-Falco Kapitel Oberflächliche Mykosen 
  12. UpToDate Kapitel Tinea versicolor (pityriasis versicolor)