Psoriasis palmoplantaris

Zuletzt aktualisiert: 2023-01-09

Autor(en): Navarini A.

ICD11: -

Psoriasis der Hände und Füsse

Psoriasis vulgaris, welche sich an den Handflächen und / oder Fussflächen manifestiert

Psoriasis.

Ca. 14% der Psoriatiker sind auch an den Händen und/oder Füssen betroffen. Prävalenzzahlen zur isolierten Psoriasis palmoplantaris existieren nicht. 

  • Psoriasis vulgaris palmoplantaris ist die klassische Form. Sie manifestiert sich klinisch sehr ähnlich wie das chronische Handekzem und produziert Hyperkeratosen sowie Rhagaden. 
  • Psoriasis palmoplantaris dyshidrotica, diese Form ist klinisch eine Mischung der Psoriasis palmoplantaris keratotica mit dyshidrosiformen Bläschen.
  • Psoriasis pustulosa palmoplantaris ist ein separates Krankheitsbild, das den pustulösen Dermatosen zuzuordnen ist. 

Multifaktoriell:

- Genetische Prädisposition

- Triggerfaktoren (z.B. mechanische Belastung, Infektionen)

Hyperkeratotische, erythrosquamöse Plaques i.S. der Psoriasis. Weniger infiltriert als Plaques an der Körperhaut. Durch die Hyperkeratose kommt es zur verringerten Flexibilität der Haut und durch die Bewegung zu schmerzhaften Rhagaden. Die Nägel können auch involviert sein mit sterilen Paronychien. Wie die Psoriasis vulgaris ist auch bei diesem Krankheitsbild eine Tendenz zu arthritischen Co-Morbiditäten zu beobachten. 

  • Klinische Zeichen, insbesondere auch die Präsenz von psoriasis-typischen Veränderungen an den anderen Prädilektionsstellen am Körper. Beachte auch die Nägel und die Gelenke. 
  • Biopsie kann hilfreich sein. In sybillinischen Fällen nutzen wir die Bestimmung von NOS2 in der Biopsie. 

Palmoplantar, überschreitet allerdings regelmässig die Wallace-Linie.

Topische Therapie

  • Kombinationspräparate sind isolierten Steroiden vorzuziehen. Wir verwenden Vitamin-D-Analogon / Klasse III Dermokortikoide (Calcipotriol & Betamethason) als Schaum (Enstilar®) 1x tgl., Salbe (Daivobet®) 1x tgl., Lipogel (Daivobet®) 1x tgl.
  • Dermokortikoide
    • Klasse II: (mittelstark wirksame) Clobetason (Clobetasoni-17 butyras) (Emovate®)Crème / Salbe. Im Gesicht möglichst keine stärkeren Präparate nutzen. 
    • Klasse III (stark wirksame) Mometasonfuorat (Mometasoni-17 furoas) (Elocom®) Crème / Lösung / Salbe. Mometason hat eine geringere Atrophie-Gefahr als andere Klasse III Steroide wie z.B. Triamcinolon. 
    • Klasse IV (sehr stark wirksame) Clobetasol (Clobetasoli-17 propionas) Schaum zur Anwendung auf der Haut. Clarelux Hautspray rückfettet nicht aber hinterlässt keine klebrigen Rückstände. Dermovate Scalp Lösung für die Kopfhaut, Dermovate® Crème / Salbe für die Körperhaut ausser dünne Areale.
  • Calcipotriol und Calcipotrien isoliert nützen nur sehr langsam, kann intertriginös irritieren und verschreiben wir nur auf Wunsch.

 

Phototherapie

  • UVA ist UVB vorzuziehen. 20 Sitzungen 2-3x pro Woche bis Besserung zu erwarten.

 

Systemische Therapie (kleine Moleküle, zur Verschreibung siehe Kapitel der Medikamente selbst)

  • Methotrexat s.c. 15 mg 1x wöchentlich. Beginn mit 10 mg 1x wöchentlich. Wöchentliche Steigerung um 2,5 mg bis 15 mg erreicht sind. Folsäure p.o. 5 mg 1-0-0 am Folgetag zur Verringerung von Nebenwirkungen. 
  • Ciclosporin p.o. 3-5 mg/ kg KG tgl. Unabhängig von den Mahlzeiten einnehmen. Kann wegen Nephrotoxizität und anderen Nebenwirkungen nur kurzfristig eingesetzt werden, ist aber sehr gut als rasche Intervention.
  • Fumarsäureester (Skilarence®): einschleichend orale Dosierung. 
  • Phosphodiesterase 4-Hemmer. Apremilast p.o., einschleichend orale Dosierung.

Biologics (zur Verschreibung siehe Kapitel der Medikamente selbst)

  • IL-23-Antikörper
    • Risankizumab s.c. 150mg (2 Spritzen à 75mg) Woche 0, 4, dann alle 12 Wochen
    • Guselkumab s.c. 100mg Woche 0, 4, dann alle 8 Wochen
    • Tildrakizumab s.c. 100mg Woche 0, 4, dann alle 12 Wochen
  • IL-17-Antikörper
    • Secukinumab s.c. 300 mg in Woche 0, 1, 2, 3, dann alle 4 Wochen
    • Ixekizumab s.c. 160 mg in Woche 0, gefolgt von 80 mg in den Wochen 2, 4, 6, 8, 10 und 12; die anschliessende Erhaltungsdosis betragt 80 mg alle 4 Wochen
  • IL12/23-Antikörper
    • Ustekinumab s.c.
      • < 100 kg KG: 45 mg in Woche 0 & 4, dann alle 3 Monate
      • > 100 kg KG: 90 mg in Woche 0 & 4, dann alle 3 Monate
  • TNF-alpha-Antikörper
    • Adalimumab (Biosimilars) s.c. 80 mg als loading dose in Woche 0, gefolgt von 40 mg jede zweite Woche, beginnend eine Woche nach der loading dose
    • Certolizumab Pegol s.c. 400mg Woche 0, 2, 4, dann 200mg alle 2 Wochen. Gut für Frauen im gebärfähigen Alter geeignet da nicht plazentagängig.

 

Für pustulöse Formen ist die off-label von Spesolimab zu diskutieren.